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Leidenschaftlicher Figaro
Montag, 28. September 2015 um 15:15 Uhr

Grandiose Musikschulgala in der Stadthalle Höxter – Sänger und Musiker begeistern

 

Ein begeistertes Publikum hat am Sonntag alle Mitwirkenden der Musikschulgala gefeiert. »Die Hochzeit des Figaro« von Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1786 in der Wiener Hofoper uraufgeführt. Mozarts Oper liegt die Komödie »Ein toller Tag« (»La folle journee«) zugrunde. Es war eine tolle Aufführung in der voll besetzten Höxteraner Stadthalle.


Heute kann man sich kaum noch vorstellen, wie brisant das Stück in seiner Entstehungszeit war und sogar zeitweise verboten wurde. Die unverhohlene Kritik an der Adelsherrschaft, das Sympathisieren mit dem dritten Stand in Gestalt des selbstbewussten Dienerpaares Figaro und Susanna, die drastische Darstellung gräflicher Unmoral – das alles war damals überaus skandalträchtig.

Alle Achtung gebührt Eva Greipel-Werbeck, in deren Händen die Gesamtleitung lag, die sich einer solchen Mammutaufgabe stellte und sich traute, mit einem vorwiegend aus Schülern und Lehrern bestehenden Ensemble ein so großes und bekanntes Werk der Opern­literatur aufzuführen. Maßgebend wurde sie dabei von Barbara Fritsch unterstützt.

Was Eva Greipel-Werbeck da in einem Jahr Vorbereitungszeit auf die Beine gestellt hat, war wirklich beeindruckend. So viele Mitwirkende über einen so langen Zeitraum bei der Stange zu halten, ist allein schon bewundernswert. Neben allen Proben und organisatorischen Aufgaben ist auch die musikalische Einrichtung für so eine Aufführung eine gigantische Herausforderung.

Der »Figaro«, bearbeitet und um Einiges gekürzt, ging mit viel Engagement und Einsatz aller Akteure über die Bühne. Man hatte betreffs der Kürzung der Oper eine ansprechende Lösung gefunden: Die Highlights waren fast alle da, verbunden durch den Ablauf der Handlung verdeutlichenden Zwischentexte, und so kam die Komödie leicht und beschwingt daher und die Liebe lockt und tänzelte allemal. In den beiden Hauptrollen »Figaro« und »Gräfin« waren versierte Profis am Werk. Georg Thauern, in der Region gut bekannter Bariton, sang und spielte mit komödiantischem Talent die Titelrolle. Er hatte auch die verbindenden Texte verfasst. Gesanglich überzeugend Anna Sophie Achilles in der Rolle der »Gräfin Almaviva«. Sie setzte schöne Mozart-Töne, weiche Kantilenen und Gefühle. Die übrigen Partien in Mozarts Oper waren mit Schülern oder Lehrern des König-Wilhelm-Gymnasiums (KWG) Höxter besetzt. Den »Grafen Almaviva« sang und spielte Michael Schauka, als liebreizende »Zofe Susanna« agierte Nora Schlanstedt. Der liebeskranke »Cherubino« wurde überzeugend von Birgit Avenhaus gesungen und gespielt. Ein besonderer Glanzpunkt war die liebenswerte Kanzone des Pagen »Voi, che sapete« (»Sagt holde Frauen«).

Dann im dritten Akt: die spektakuläre Familienzusammenführung von »Marcellina« (Ursula Elsner) und »Dr. Bartolo« (Dietmar Meletzus), die sich als die Eltern des »Figaro« entpuppen. Zu erwähnen sind auch noch Hans Nicolas in der Doppelrolle als »Don Basilio« und als »Gärtner Antonio« sowie dessen Tochter »Barbarina«, verkörpert von Birka Tomaszewski. Nicht zu vergessen der Chor der vielen Bauernmädchen, Bäuerinnen und Bauern, dargestellt vom Projektchor des KWG (Einstudierung Mareen Bilstein).

Musikalisch gab es manche Annehmlichkeiten. Das Gemeinsame Orchester des KWG und der Musikschule Höxter sowie das Collegium Musicum der Volkshochschulen Höxter und Holzminden erweckten Mozarts unsterbliche Musik zum Leben und auf das klingende Resultat darf man mit Recht ein bisschen stolz sein.

Ein besonderes Lob gilt auch dem ansprechenden Bühnenbild, das von Schülern und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 10 gestaltet wurde (unter der Leitung von Elisabeth Brilon).

Zusammenfassend ist vor allem die gute und homogene Teamarbeit des gesamten Ensembles zu erwähnen, die bei dieser Aufführung ganz offensichtlich wurde.

Und am Ende, als sich »Figaro« und »Susanna« endlich »kriegten« und der blamierte Graf sich wieder seiner Gattin zuwandt, brandete berauschender Jubel und begeisterter Beifall auf – für die sängerischen und schauspielerischen Leistungen und vor allem für die Leiterin Eva Greipel-Werbeck.

 

 

von Dagmar Korth und Ingo Schmitz (Fotos) - Westfalen-Blatt vom 11.09.2015