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Schüler als Lehrer
Montag, 07. März 2016 um 14:28 Uhr

Höxter (nw). 2004 öffneten die Pforten des Petri-Ganztags mit gerade mal 25 Kindern. Heute besuchen 173 Kinder die offene Ganztagsgrundschule in Höxter. Schüler des König-Wilhelm-Gymnasiums Höxter unterstützen die Nachmittagsbetreuung und leisten Hilfe bei den Hausaufgaben. Eine Kooperation, von der die Kinder und die Oberstufenschüler profitieren, sind sich die Beteiligten einig.

Von 7 bis 16 Uhr läuft die Ganztagsbetreuung in der Petri-Grundschule. Schon vor dem Unterricht können die Kinder von 7 bis 7.45 Uhr spielen, basteln oder Geschichten hören und sich am selbst zusammengestellten Frühstück bedienen. Nach Schulschluss,  also zwischen 11.30 und 13.15 Uhr, heißt es dann Mittagessen für die einzelnen Jahrgänge. Im Anschluss können sich die Kinder vom Schultag erholen und nach eigenen Wünschen sich die Zeit gestalten. "Nach dem Essen gehen wir raus und haben dann Hausaufgabenbetreuung", erzählt eine Schülerin des ersten Klasse. Diese erfolgt in Kleingruppen, acht bis zwölf Schüler, im Klassenraum des entsprechenden Jahrgangs. Das Besondere daran: Schüler des KWG unterstützen bei der Hausaufgabenbetreuung. Und das bereits seit dem Schuljahr 2007/08, wie Schulleiterin Gabi Schubring.


Bereits ab der zehnten Jahrgangsstufe können sich Schüler des Gymnasiums  als Hausaufgabenbetreuer anmelden. Die Betreuer gehen individuell auf jedes Kind ein und stehen bei Fragen mit Rat zur Seite. Zudem motivieren die Jugendlichen die Kinder zum selbstständigen Lernen. "Man braucht Durchsetzungsvermögen und Geduld, um Aufgaben auch ein drittes Mal zu erklären oder mit der gesamten Gruppe eine Lösung zu finden. Für dieses Engagement bekommen die jungen Leute auch ein Entgelt", beschreibt Schubring. "Ohne Moos ist nichts los", fügt sie mit einem Lachen hinzu.


Die Kinder profitieren sehr von der Unterstützung und der Motivation der Oberstufenschüler, so die Schulleiterin. Die Oberstufenschüler überprüfen die Hausaufgaben auch auf Vollständigkeit und Fehler. "Mit der Betreuung habe ich die Hausaufgaben besser und schneller geschafft", sagt der Zweitklässler Noah stolz. Die Jugendlichen machen den Job gerne, wie Timo Gemmeke (18) aus der Jahrgangsstufe zwölf berichtet. "Es ist keine Arbeit, sondern es macht wirklich Spaß."


Parallel zur Hausaufgabenbetreuung wird auch eine Einzelförderung angeboten. Dazu treffen sich Schüler und Betreuer zweimal pro Woche, um intensiv an Problemen zu arbeiten. "Das Ganze ist so aufgebaut, dass wir an einem Tag für eine Stunde Hausaufgaben erledigen und am anderen Tag machen wir Förderunterricht und setzen da an, wo Nachholbedarf ist", erklärt die KWG-Schülerin Franziska Gasch (17).


Eine weitere Besonderheit sei die Betreuung des Flüchtlingskindes Islam. Nach Angaben von Schubring sei sie vor einem Jahr ohne Deutschkenntnisse aus Syrien nach Deutschland gekommen. Um das Erlernen der Sprache zu intensivieren, bekomme sie seit Anfang November eine Deutschförderung von Helena Loges (18), eine weitere Schülerin des KWG. "In den paar Monaten habe ich deutlich ihre Fortschritte in Lesen und vor allem in der Rechtschreibung bemerkt. Sie lernt immer neue Sachen dazu", berichtet Loges.


Auf die Frage, wie sich die Schüler der Oberstufe in die Ganztagsschule integrieren, antwortet Schubring, dass sie "die Arbeit in der Hausaufgabenbetreuung prima unterstützen" und man durch die Zusammenarbeit nur dazu gewinnen könne. Denn nicht nur die Kinder, sondern auch die Jugendlichen profitieren von dem Projekt. "Zum Ende gibt es ein Zeugnis über die Arbeit hier. Dieses ist zum Beispiel für ein Studium von Vorteil oder für eine Bewerbung für ein Auslandsjahr." Die Schüler können so auch Erfahrungen im Umgang mit Kindern sammeln und lernen, wie Wissen vermittelt wird. So können die Jugendlichen herausfinden, ob dieses Arbeitsfeld das Richtige für sie ist oder nicht. "Ich würde mich freuen, wenn sich stetig neue Schülerinnen und Schüler zum Betreuen der Hausaufgaben hier anmelden", so Schubring.

Neue Westfälische vom 2.3.16