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Geschichte vor der Haustür
Dienstag, 04. Oktober 2016 um 00:00 Uhr

Pinsforum und KWG vereinbaren Kooperation: Angebote für Schüler

Die Jacob-Pins-Gesellschaft und das König-Wilhelm-Gymnasium (KWG) in Höxter haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Gedenkstätte und Schule wollen noch mehr Aktionen und Projekte veranstalten. Für KWG-Direktor Georg Wieners ist durch die Vertragsunterzeichnung die Zusammenarbeit mit dem Pinsforum nun auch offiziell ein Teil des Schulprogramms. Verbindlich würden Veranstaltungen angeboten und für den Unterricht Bibliothek, Räume und Programmangebot der Pins-Gesellschaft genutzt. Fritz Ostkämper, Vorsitzender Pins-Gesellschaft, ist es wichtig, dass Schüler lernen, was in Höxter in der NS-Zeit geschehen sei »und welche lange Geschichte die jüdische Bevölkerung in Höxter hatte«.

Schon in den vergangenen Jahren habe das KWG oft den Holocaust-Gedenktag im Pinsforum gestaltet. Im Foyer der Schule sei vor genau 25 Jahren die Gedenkstätte für die ermordeten jüdischen KWG-Schüler und die Juden in Höxter errichtet worden. Schüler würden die »Stolpersteine« mit pflegen, die an Höxters Juden erinnerten. Facharbeiten, Vorträge und Veranstaltungen mit Zeitzeugen gehören zu den Aktionen. KWG-Lehrer Christoph Heger, der den Arbeitskreis zur Vorbereitung des 150-jährigen KWG-Jubiläums 2017 leitet, kann sich wie das Pinsforum gemeinsame Angebote zum 150-Jährigen und zur Stadtgeschichte vorstellen. Als Schule habe man den Auftrag, bei den Schülern ein Bewusstsein zu Holocaust und Nazizeit zu schaffen. Gedenkstätten und Schulen seien Orte der historisch-politischen Bildung sowie der Demokratie- und Menschenrechtserziehung. Schulleiter Georg Wieners sieht einen Mehrwert in der unmittelbaren Begegnung mit historischen Orten und sieht eine Bereicherung des Unterrichts. Die Analyse ethnischer, kultureller und religiöser Ausgrenzung könne zur Achtsamkeit gegenüber heutigen Formen der Diskriminierung beitragen. Das Forum Jacob Pins im Adelshof Westerbachstraße 35 bis 37 zeigt auf 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche Werke des Künstlers Jacob Pins, der 1917 in Höxter als Sohn jüdischer Eltern geboren wurde, und wie sein Bruder auch das KWG besuchte. 1936 floh er vor den Nazis nach Palästina. Er vermachte seinen künstlerischen Nachlass als Geste der Versöhnung 2002 seiner Geburtsstadt Höxter, die ihn mit der Ehrenbürgerwürde auszeichnete.

 

Haben die Kooperation vereinbart (von links): Christoph Heger, Eva Rüscher, Fritz Ostkämper, Georg Wieners und Bärbel Werzmirzowsky.

Text und Fotos: Michael Robrecht. OWL am Sonntag vom 25. Spemtember 2016