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Für die reine Freude an der Chemie
Donnerstag, 02. Februar 2017 um 20:34 Uhr

Angebot: Am König-Wilhelm-Gymnasium öffnet Lehrer Ulf Osterbrink den

Naturwissenschaftsraum für interessierte Grundschüler - und die sind begeistert

 

"Chemie ist eine Wissenschaft, kein Ratespiel", sagt Ulf Osterbrink und muss schmunzeln angesichts des Eifers, den die Viertklässler der Schule am Nicolaitor zeigen. Mehl, Puderzucker, Natron, Salz oder das Treibmittel Weinstein? Mit drei Tests sollen die Viertklässler herausfinden, um welche Backzutaten es sich handelt. Denn Koch Kuno hat die Zutaten durcheinander geworfen. Und die Nicolaischüler sollen helfen, sie zu identifizieren.


Chemieunterricht für vierte Klassen am König-Wilhelm-Gymnasium: Eine Idee, die auf die Initiative des Chemielehrers Osterbrink zurückgeht, die in der Nicolaischule gern aufgegriffen wird. Und die bei den Schülern ankommt, sagt Schulleiter Alfons Kleine, der die elf Mädchen und Jungen zu dieser Chemieunterrichtsstunde - ihrer sechsten - zum KWG begleitet hat. "Eine freiwillige Arbeitsgruppe", sagt Kleine. Und dass die Viertklässler auch in der siebten und achten Schulstunde noch "total motiviert" sind.


Basisch, neutral oder sauer? Das ist heute die Frage, erklärt Osterbrink, erzählt die Geschichte vom verwirrten Koch und gibt den Kids ihre Aufgabenblätter für die Gruppenarbeit. Dann geht?s los: Mit Röhrchen, Reagenzglas, Pipetten und Plastikbechern mit den fünf weißen Pulvern. Aufgaben: Der Indikatortest mit Rotkohlsaft, der sich je nach Eigenschaft rot oder blau verfärbt oder neutral bleibt, oder der Test auf Wasserlöslichkeit und der Gas-Test sollen klären, um was es sich handelt. Unterstützt wird Osterbrink von den Schülern Mareike Niemann und Leander Brune (18) vom Leistungskurs Chemie am KWG. "Die Arbeit mit den Kindern macht richtig Spaß", sagt der 18-Jährige, der selbst Chemie studieren möchte und viele Fragen von den Grundschülern hört, die er selbst auch einmal gestellt hat. "Aber es geht hier nicht nur um Chemie, sondern um das Interesse an Naturwissenschaften überhaupt. Dieses bereitet den Weg." Nebenan am Tisch gibt?s eine deutliche Reaktion, als Lara das weiße Pulver mit Rotkohlsaft tränkt. Der Inhalt des Röhrchens wird blau. "Basisch", stellen die vier Grundschüler entschieden fest. Dann wird Zitronensäure in ein weiteres Röhrchen geträufelt. "Das muss Natron sein, weil es mit der Zitronensäure reagiert", so die Begründung. Osterbrink nickt anerkennend.


"Es geht nicht um Fachbegriffe oder Atome - sondern rein um die Freude an der Chemie. Und dass sie schon mal die Begriffe basisch und sauer gehört haben", sagt KWG-Lehrer Osterbrink. Und dass die Kinder ein Auge dafür bekämen, dass Chemie etwas mit Stoffveränderung zu tun habe.


Nach dem Probelauf 2015 mit der Nicolaischule hatte der KWG-Chemielehrer dieses Angebot wieder an alle Grundschulen gerichtet. Die Nicolaischüler sind sechs Wochen lang montags für den Unterricht in den Chemieraum des KWG gekommen. Weitere sind willkommen, sagt Osterbrink. Die Grundschulen können sich beim KWG-Sekretariat melden. Grundschulleiter Kleine jedenfalls ist begeistert. Und lernt selbst dazu, wie er augenzwinkend erzählt. "Ich habe früher in Chemie nicht aufgepasst."

 

Test mit Rotkohlsaft: Yannik, Johannes, Helena und Lara schauen sich die Reaktion des Pulvers im Reagenzglas an.

 

Chemieunterricht: Leander Brune mit Kaja, Mia, Philipp und Merle (Foto; oben), eine überschäumende Reaktion (Mitte) und Chemielehrer Ulf Osterbrink in Aktion

Text und Fotos von Simone Flörke - Neue Westfälische vom 13.12.2016