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Trügerisches Familienglück
Montag, 09. März 2009 um 13:26 Uhr

Nach harter Probenarbeit ist jeder Schauspieler stolz und vor allem froh, wenn die Premiere eines Stückes gelingt. Stolz sein kann auch die Theater-AG des König-Wilhelm- Gymnasiums in Höxter. Am Ende der Premiere ihrer Inszenierung von Molières Komödie "Der eingebildete Kranke" ernteten die Laienschauspieler kräftig Applaus vom Publikum.

"Wir haben mit den Vorbereitungen bereits vor den Sommerferien angefangen", berichtet Regisseurin Iris Kappmeier im Gespräch mit der NW. Das Resultat kann sich sehen lassen: Voller Schwung und Heiterkeit erzählen die Schülerinnen und Schüler der 10. bis 13. Klasse die Geschichte einer wundersamen Heilung.

Im Mittelpunkt der beliebten Prosakomödie steht Monsieur Argan, gespielt von Marius Rasche. Er wird von zahlreichen Scharlatanen umsorgt und lässt sich das Geld für völlig überflüssige Medikamente förmlich aus der Tasche ziehen. Die Angst um seine eigene Gesundheit stört den Familienfrieden ungemein, besonders weil seine zweite Frau Béline (Marina Rasche) es kaum noch erwarten kann, dass er endlich verstirbt. Sie möchte die alleinige Erbin seines Vermögens werden und heuchelt ihm auf heimtückische Weise zärtliche Liebe vor. Sie geht sogar soweit, dass sie ihre Stieftöchter unbedingt in ein Kloster schicken will.

Doch Monsieur Argan hat andere Pläne für seine Tochter Angélique (Maria Elsner). Sie soll einen Mann seiner Wahl heiraten. Natürlich denkt er dabei nicht ganz uneigennützig. Seine Wahl fällt auf Thomas Diafoirus (Sören Weber), den Sohn eines sehr angesehenen Arztes. Die Herzenswünsche seiner Tochter kümmern ihn dabei wenig. Sie hat vor kurzem Cléante (Jonas Sorges) kennengelernt und sich Hals über Kopf in den jungen Mann verliebt. Die Nachricht, dass sie verheiratet werden soll, trifft sie wie ein Schlag. Um die heimliche Liebschaft nicht sofort auffliegen zu lassen, gibt sich Cléante als Vertretung des Musiklehrers aus. In einem improvisierten Lied gestehen sich die beiden ihre Liebe.
Damit alles ein gutes Ende nimmt, beschließen Argans Bruder und das Dienstmädchen Toinette, gespielt von Deborah Engel, den "eingebildeten Kranken" zur Vernunft zu bringen. "Ich kenne keinen Menschen, der so gesund ist wie du", wirft Benedikt Moritz als Bruder Béralde Argan an den Kopf. Nachdem sein ursprünglicher Arzt, Herr Purgon, den Kontakt abgebrochen hat, stellt ihm ein neuer Arzt drastische Heilmethoden vor. Dass es sich dabei um das verkleidete Dienstmädchen handelt, kann Argan nicht ahnen. Sie versucht durch einen Trick, die Angelegenheiten wieder ins Lot zu bringen. "Sie müssen sich den Arm amputieren lassen", schlägt sie vor. "Und an ihrer Stelle würde ich mir auch das rechte Auge ausstechen lassen", ergänzt das Dienstmädchen. Argan ist davon ganz und gar nicht begeistert und beginnt zum ersten Mal an den Methoden seiner sonst so verehrten Ärzte zu zweifeln. "Bei so viel Durcheinander hat man ja nicht mal mehr Zeit, sich um seine Krankheiten zu kümmern", scherzt der Kranke.

Noch eine List hat sich das Dienstmädchen einfallen lassen: Sie rät ihm, sich totzustellen, um die wahren Gefühle seiner Frau und seiner Tochter zu überprüfen. Argan lässt sich auf den Vorschlag ein und erlebt prompt eine große Überraschung. Während Ehefrau Béline aus ihrer Freude keinen Hehl mehr macht, ist Tochter Angélique völlig geschockt. "Der eingebildete Kranke" ist so gerührt, dass er der Hochzeit seiner Tochter mit ihrem Geliebten zustimmt.

Ein Problem bleibt: Wer kümmert sich nun um seine Krankheiten? Nach vielen Überredungsversuchen gelingt es seinem Bruder schließlich, ihn davon zu überzeugen, dass die Ärzte ihm nicht wirklich helfen. Er beschließt nun selbst Arzt zu werden.

Schauspieler Marius Rasche ließ es sich nicht nehmen, gleich einmal ein paar Zuschauer zu untersuchen. Auch die Reflexe von Schulleiter Georg Wieners wurden mit einem kleinen Hämmerchen überprüft. Der frischgebackene Arzt kann Entwarnung geben: Alles gesund!

Insgesamt war die Aufführung die 26. in der Geschichte der Theater-AG. Sie wurde mit tosendem Applaus und Zugabe-Forderungen vom Publikum gewürdigt.

Text und Fotos: Lars Ameler, Jgst. 11, Neue Westfälische, 09. März 2009