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| Von Höxter in die Metropole |
| Samstag, 23. August 2008 um 13:43 Uhr |
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Josefine Barisic ist eine richtige Überfliegerin. Mit 17 Jahren spricht sie sechs Sprachen, hat ein Zeugnis voller Einsen und hat jetzt auch noch ein Jahr am College in Kanada mit Auszeichnung absolviert. NW-Mitarbeiterin Julia Radtke sprach mit der Schülerin aus Höxter über ihre Zeit auf dem anderen Kontinent und über ihre Zukunft.
Warum gerade Kanada?
JOSEFINE BARISIC: Mein Cousin war auch schon dort und hat mich so darauf gebracht. Er hat sehr viel Gutes über das Land erzählt, darum habe ich mich für Kanada entschieden. Ich bin dann auch an das John-Abbott-College in Montreal gegangen, an dem auch mein Cousin damals war. In Montreal leben 1,6 Millionen Einwohner. Von Höxter in die Millionenstadt - das war bestimmt eine ganz schöne Umstellung, oder? BARISIC: Hier ist alles so schön klein und schnuckelig und in Kanada war plötzlich alles so groß. Das Kleinstadtleben in Höxter habe ich schon vermisst. Es ist schön, wenn jeder jeden kennt.
BARISIC: Die Schüler werden wahnsinnig viel gefördert. In Kanada hat jeder Schüler seinen eigenen Computer. Außerdem wird dort viel mehr experimentiert. Im Biologie-Unterricht habe ich ein halbes Medizinstudium mitgemacht. Ich habe einen Schweinefötus seziert, ein Schafshirn analysiert und meine eigenen Blutzellen mikroskopiert. Jeder Schüler hatte ein eigenes Mikroskop, Kittel und Schutzbrille. Wie hat es mit der Sprache geklappt? BARISIC: Das ging sehr gut. Ich hatte schon in der Schule eine Eins in Englisch und habe darum von Anfang an alles gut verstanden. Nach und nach habe ich natürlich viel Vokabular und Redewendungen dazu gelernt. Woher können Sie so viele Sprachen sprechen? BARISIC: Kroatisch spreche ich schon, seit ich klein bin. Meine Familie kommt aus Kroatien. Englisch, Französisch und Latein lerne ich in der Schule. Italienisch habe ich bei einem Austausch gelernt und dann kommt da noch Deutsch dazu. Sie haben dort sogar eine zusätzliche Auszeichnung bekommen. Wofür gab's die? BARISIC: Das ist ein Service Award für besonderes Engagement. Den habe ich bekommen, weil ich bei einer multikulturellen Woche dort Deutschland repräsentiert habe. Ich habe deutsches Brot und Mettwurst gekauft und Sauerkraut gekocht. Das fanden sie ganz toll. Außerdem habe ich ein Zeugnis erhalten, mit dem ich jetzt an Universitäten in Kanada und den USA studieren kann. Sie waren dort größtenteils auf sich allein gestellt. Hat das gut funktioniert? BARISIC: Am Anfang war die Umstellung nicht leicht. Man muss sehr selbstständig sein. Hausaufgaben am College sind meistens eher wie Projekte, für die man länger Zeit hat. Das System dort ist ähnlich wie an der Uni: Vorlesung und Mitschreiben. Schlechte Schüler werden nicht mitgezogen. BARISIC: Die Kommunikation mit meiner Familie ging hauptsächlich über das Internet. Mit meiner Schwester habe ich per Email Kontakt gehalten - sie hat mir immer berichtet, was hier passiert. Meine Oma hat mir viele Briefe geschickt, das fand ich sehr schön. Heimweh hatte ich aber trotzdem. Manchmal habe ich schon Kleinigkeiten vermisst, wie das Läuten der Kirchenglocke morgens. Wir wohnen in der Nähe der Kirche, da höre ich das immer. Meine Familie und Freunde habe ich auch sehr vermisst. Ich war da ja praktisch alleine, musste alleine kochen und Wäsche waschen. Da vermisst man natürlich schon seine Mutter. Wie war das Wetter in Montreal? BARISIC: Ich habe dort den Rekord-Winter erlebt, der sechs Monate gedauert hat. Die Durchschnittstemperatur lag bei Minus 28 Grad, aber es gab auch schon mal Minus 34 Grad und vier Meter hoch Schnee. Man musste dort wirklich alles bedecken, was es zu bedecken gab. Es war schon sehr kalt. Was hat Ihnen in dem Jahr dort am Besten gefallen? BARISIC: Der Times Square mit den vielen Lichtern ist sehr beeindruckend. Aber auch die Niagara-Fälle waren ganz toll. Das ist ein wahnsinniges Natur-Spektakel. Sie sind jetzt in der 12. Stufe. Wissen Sie schon, was Sie später beruflich machen möchten? BARISIC: Ich möchte gerne etwas mit Sprachen machen. Weil ich ja schon sechs Sprachen spreche, möchte ich gerne Internationale Beziehungen studieren. Vielleicht kann ich damit später in die politische Richtung gehen. Neue Westfälische, 23. August 2008 |
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Was ist dort anders als in Höxter?