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Podiumsdiskussion zur Schulpolitik
Donnerstag, 25. März 2010 um 23:00 Uhr

Streit um die Schulform

Auch Klassengröße spaltet die Gemüter

 

„Nicht alle Schulstandorte können in Zukunft erhalten werden“,

stellte CDU-Landtagskandidat Hubertus Fehring bei der Podiumsdiskussion fest. Die Schulpflegschaft des König-Wilhelm-Gymnasiums wollte kurz vor der Landtagswahl eine Plattform für schulpolitische Diskussionen bieten. Fast alle Spitzenkandidaten der Parteien waren gekommen und lieferten sich teils spannende Duelle.
„Die Gemeinden könnten ihre Schulen an manchen Stellen zusammenlegen“, erklärte Fehring weiter. „Allerdings gibt es in vielen Kommunen noch eine Art ,Kirchturmdenken‘, bei dem jeder alles behalten will.“ Die CDU wolle vor allem das bisherige, dreigliedrige Schulsystem beibehalten und stärken. Man könne so viel besser auf die einzelnen Neigungen eingehen.
Bei Grünen-Kandidatin Martina Fahlbusch sorgten Fehrings Erklärungen für Kopfschütteln. „Das System ist aus dem Jahre 1870, also überhaupt nicht mehr zeitgemäß“, sagte sie. Die Grünen wollen in Zukunft ein Gemeinschaftsschulsystem für längeres gemeinsames Lernen entwickeln. „So kann jeder von jedem lernen“, sagte Fahlbusch. Es sei besonders wichtig, die Eltern in die Planungen für so ein System mit einzubeziehen und alles von unten nach oben gemeinsam zu durchdenken. Die Kinder würden dann bis zur zehnten Klasse ohne Selektion zusammenbleiben. „Bei unserer Politik sollen die Entscheidungen kommunal und nicht nur in Düsseldorf getroffen werden“, so Fahlbusch.
Ein ähnliches Schulsystem plant auch die SPD: „Wir wollen eine Aufteilung frühestens nach der sechsten Klasse einführen“, berichtete Kandidat Jürgen Unruhe. Auch die SPD spricht von „Gemeinschaftsschulen“, es solle verpflichtend Ganztagsunterricht eingeführt werden. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagte Unruhe.
FDP-Ratsmitglied Sebastian Otten, der den verhinderten Landtagskandidaten Hans-Jürgen Zurbrüggen vertrat, stützte Fehrings Ansichten. „Die Gymnasien müssen in bestehender Form erhalten bleiben, die Haupt-, Real-, und Gesamtschulen könnte man organisatorisch und pädagogisch zusammenführen“, erklärte er. Man wolle die Durchlässigkeit des Schulsystems erhöhen. „Entscheidungen müssen vor Ort getroffen werden“, so Otten.
Martina Fahlbusch und Hubertus Fehring lieferten sich im Laufe des Themas häufig Wortgefechte. Die Grünen-Kandidatin warf dem CDU-Politiker „Schubladendenken“ vor. Dieser konterte: „Das ist die Lebenswahrheit“, und er betonte, dass die CDU in der Vergangenheit am meisten Geld für Bildung investiert habe.
„Viel wichtiger ist ein Schulmodell, bei dem die Kinder mit Freude lernen und ihre Leistungen ohne Druck erbringen können“, entgegnete Fahlbusch.

Diskussionen um Umsetzung des Ganztagsunterrichts

Auch die Umsetzung des Ganztagsunterrichts sorgte für zahlreiche Diskussionen. Zwar waren sich alle Parteien einig, dass Ganztagsunterricht in der Zukunft unumgänglich wird, bei der Umsetzung gibt es jedoch Differenzen. Gerade die Klassengröße spaltete die Gemüter. Für die SPD und die FDP kommen Klassen mit einer Größe von über 25 Schülern in Frage, CDU und Grüne wollen hingegen die Klassengröße verringern. „Ganz besonders wichtig ist beim Ganztagskonzept ein gutes Mittagessen“, fordert Fahlbusch.
Für das zuletzt häufig kritisierte Turbo-Abi (G8) hatte SPD-Kandidat Unruhe eine Erklärung: „Die Planungen für das G8-Abitur waren gut, lediglich die Umsetzung ist gescheitert.“ Die SPD habe ursprünglich in der Oberstufe Einsparungen machen wollen, um so die jüngeren Schüler zu entlasten. Dies sei jedoch falsch umgesetzt worden. CDU und FDP wollen am Turbo-Abi festhalten.
Zum Abschluss wurde auch das eher zurückhaltende Publikum aktiver. Eine Zuhörerin forderte die Politiker auf, bei einer möglichen Regierungsarbeit darauf zu achten, dass das Thema Schule nicht zu sehr demokratisiert wird. Auch die Schulleiter sollten nach Ansicht einiger Höxteraner mehr Einfluss bekommen. „Die Podiumsdiskussion hat gezeigt, dass Bildung überall als wertvolles Gut gehandelt wird“, stellt Moderator Raimund Hagspiel abschließend fest.
Für Enttäuschung hatte zu Beginn der Veranstaltung die Tatsache gesorgt, dass die auf den Plakaten beworbenen Gäste, Bürgermeister Alexander Fischer und Landrat Friedhelm Spieker, nicht erschienen waren. Dies hatte jedoch wahlrechtliche Gründe, denn Hauptverwaltungsbeamte dürfen vor der Wahl an keiner Wahlkampfveranstaltung teilnehmen und sind zur Neutralität verpflichtet.

Lars Ameler, Neue Westfälische, 24. April 2010
 

 

Harte Wortgefechte: Jürgen Unruhe (SPD-Landtagskandidat, l.) hört den Ausführungen von Hubertus Fehring (CDU) aufmerksam zu. Grünen-Kandidatin Martina Fahlbusch ist skeptisch.