Start Projekte Absolute Herrschaft wird zum Pulverfass
Absolute Herrschaft wird zum Pulverfass
Mittwoch, 30. September 2009 um 12:05 Uhr

Gelungene Premiere: Höxteraner Gymnasiasten inszenieren das Drama "Die Chinesische Mauer"


Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, fühlte sich die Theater-AG des König-Wilhelm-Gymnasiums sichtbar zu Hause. Grandios präsentierten die Schüler unter der Leitung von Christiane Mecking das Drama "Die chinesische Mauer" des bekannten Schweizer Schriftstellers Max Frisch, das sich mit dem immer wiederkehrenden Machtmissbrauch der Herrschenden und den daraus resultierenden Wirkungen beschäftigt.

 

Historische Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen finden sich im China des dritten Jahrhunderts vor Christus ein - eine Zeit, die in Fernost durch die Tyrannei des größenwahnsinnigen Kaisers Tsin Sche Hwang Ti geprägt wurde. Als sein neuestes Glanzstück plant der nur zu leicht aufbrausende Kaiser (Benedikt Ummen) die Errichtung des größten Bauwerks der Welt, der chinesischen Mauer.
Aus der heutigen Zeit kommend, versuchen drei junge Menschen, die in das damalige China versetzt sind, in den geschichtlichen Prozess korrigierend einzugreifen. Mit ihrem fortschrittlichen Wissensstand schleudern die intellektuellen Heutigen den bedeutendsten Figuren der Weltgeschichte und Literatur die Warnung entgegen: Eine absolute Herrschaft ist zu einem Pulverfass für die gesamte Menschheit geworden.

 

Doch keiner in der historischen Kette bekennt sich schuldig, an der immer wiederkehrenden Unmenschlichkeit mitgewirkt zu haben. "Wenn das Volk kein Brot hat, soll es Kuchen essen.", offenbart Marie Antoinette (Inka Tolle) in einem pompösen Kleid ihre Auffassung von der Verteilung der Annehmlichkeiten dieser Erde. Auch Napoleon, Romeo und Julia, Brutus und Cleopatra sowie viele andere, die historischen Rang und literarischen Namen haben, werden von Frisch versammelt und als "Masken" in den Handlungsablauf eingebunden. Sie werden Zeuge eines Menschen verachtenden Gerichtsprozesses gegen einen Stummen (Florian Ludwig), dem zur Last gelegt wird, er nenne sich die "Stimme des Volkes".
Einer der Heutigen erkennt dabei, dass sein persönlicher Einsatz nötig ist, um zu verhindern, dass sich das Rad der Geschichte immer aufs Neue in die gleiche Richtung dreht. Ob es ihm gelingt das Rad anzuhalten, können alle Freunde des Theaters am kommenden Mittwoch um 19.30 Uhr in der Aula des KWGs selbst mitverfolgen und die beeindruckenden Leistungen der Spieler sowie das große Engagement von Christiane Mecking und ihrer Assistentin Iris Kappmeier erleben.
Für die hervorragende Aufführung, in die die Schüler im Vorfeld viel Leidenschaft und Zeit investierten, wird kein Eintritt erhoben, doch die Theater-AG freut sich über Spenden, welche zur Hälfte dem befreundeten Behindertenwerk Camelot in Ungarn zugute kommen.

Text und Foto: Mechthild Weskamp (Jgst. 12), WESTFALEN-BLATT vom 10. Juni 2008