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Nach Auszügen aus der Festschrift zur 125-Jahrfeier des KWG
Die Schulsituation in Höxter war in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts offenbar geprägt durch ein erhebliches Konkurrenzdenken der beiden Kirchen. So standen sich zwei konfessionelle Volksschulen, zwei konfessionelle "Höhere Töchterschulen" und zwei konfessionelle höhere Jungenschulen, die beiden Selecten, gegenüber. Eine sinnvolle und notwendige Verschmelzung zumindest der weiterführenden Schulen wurde mehrfach versucht, scheiterte aber angesichts des Kampfes gegeneinander. Beide Seiten bemühten sich ab 1857 um den Aufstieg der jeweiligen Selecta zu einem staatlich anerkannten Progymnasium, das bis zur Sekundareife nach der Klasse 10 führte und als "Zubringerschule" des Vollgymnasiums diente. (...) Nach langem Streit genehmigte die Kultusbehörde am 21.12.1865 die Errichtung eines evangelischen Progymnasiums, was wiederum zu Beschwerden der katholischen Seite führte. (...) Als letztes Mittel wurde nun die Presse mobilisiert. Am 27.2.1867 erschien ein scharfer Protest gegen das evangelische Progymnasium im katholischen "Westfälischen Merkur". Durch die ganze Lage der Dinge ist es vielmehr geboten, ein katholisches Progymnasium einzurichten, auf dem die konfessionellen Interessen der protestantischen Schüler ausreichende Berücksichtigung finden. Die Errichtung eines protestantischen Progymnasiums kann nur als ein aggressives Vorgehen gegen den Katholizismus betrachtet werden. Am 11./12.3.1867 prüfte Provinzialschulrat Suffrian alle Selecta-Schüler und verteilte sie anhand der Prüfungsergebnisse auf die Klassen des Progymnasiums. Der folgende Tag brachte endlich die feierliche Einführung des Rektors Petri und die Eröffnung der Schule mit 76 Schülern in fünf Klassen. Am 18.12.1868 erhielt die Schule auf Antrag der Stadt ihren Namen: König-Wilhelm-Gymnasium.

Seit dem Bestehen des König-Wilhelm-Gymnasiums wechselten die Räumlichkeiten des öfteren, meistens aufgrund von Raummangels. Bis 1865, also noch vor der eigentlichen Gründung des KWG, wurde im städtischen Armenhaus in der Neuen Straße unterrichtet, allerdings lediglich provisorisch, so dass darauf der Umzug ins Rappesche oder Adam-und-Eva-Haus (Ecke Stummrige - Schnakenstraße) erfolgte. 
Am 21. April 1870 wurde das Schulgebäude, das neugebaute Dogerlohsche Haus am Marktplatz, eingeweiht. Trotzdem stieg die Schülerzahl stetig und als Raumprobleme auftraten, entschied sich die Schulleitung erst für den Neubau, als der Besitzer des Rappeschen Hauses im Jahre 1868 den Mietvertrag kündigte. In der Zwischenzeit, ganze zwei Jahre, wurden die Schüler im Wohnhaus des Rektors unterrichtet.  Am 12. September 1912 zog das KWG vom Marktplatz in die Moltke- bzw. Bismarckstraße. Allerdings wurde das Geld für den Bau des neuen Schulgebäudes von dem Höxteraner Bürger Dr. Wilhelm Haarmann gespendet, da die finanzielle Umsetzung durch die Stadt Höxter kaum möglich gewesen wäre. Lange nach den Kriegswirren wurde schließlich am 22. Oktober 1973 das König-Wilhelm-Gymnasium im Schulzentrum am Bielenberg in seiner heutigen Form eingeweiht. König Wilhelm - Wilhelm? Wer?  Wilhelm wurde von seinen Eltern, König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen, am 22.3.1797 als zweiter Sohn geboren. Seine Jugendzeit prägten vor allem zwei Ereignisse des Jahres 1806: der Tod der Mutter und der Zusammenbruch Preußens im Krieg gegen Napoleon. In dem französischen Kaiser, obgleich wahrhaftig kein Demokrat, sah Wilhelm wohl die Personifikation eines Frankreich, das durch seinen europäischen Machtanspruch, aber auch die Gedanken der Französischen Revolution die alten monarchischen Strukturen bedrohte. So lernte Wilhelm nicht nur Frankreich, sondern auch das von ihm ausgehende liberale Gedankengut als Gegner kennen und ablehnen. 1814 nahm Wilhelm als Hauptmann an den Befreiungskriegen teil und entdeckte hier seine besondere Neigung zum Militärischen. Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar, eine liberal gesinnte junge Frau, wurde 1829 seine Gemahlin. Nach dem Tod des Vaters 1840 ernannte ihn sein kinderloser älterer Bruder, König Friedrich Wilhelm IV., zum "Prinzen von Preußen", d.h. zu seinem Thronfolger. Der Kampf gegen die bürgerliche Revolution
Wilhelms politische Haltung zeigte ihn in dieser Zeit als streng Konservativen. Die Märzrevolution von 1848 in Berlin wollte er militärisch niederwerfen, während sich der König den Forderungen der Bürger weitgehend beugte. Der daher als "Kartätschenprinz" benannte Wilhelm musste vor den aufgebrachten Berlinern fliehen und blieb drei Monate im englischen Exil. Nach seiner Rückkehr wurde er als konservativer Abgeordneter in die preußische Nationalversammlung gewählt. Dort zeigte er Bereitschaft, Preußen in einem deutschen Nationalstaat aufgehen zu lassen, lehnte aber die demokratische Verfassung der Frankfurter Nationalversammlung strikt ab. Im Juni/Juli 1849 war die Revolution gescheitert. Der preußische König hatte die Kaiserkrone, die ihm von der Paulskirchenversammlung angeboten worden war, zurückgewiesen; die alten Gewalten - sprich deutschen Fürsten - gewannen ihre alte Macht zurück. (...) Die alte Ordnung wurde auch anhand von Todesurteilen wiederhergestellt. Wilhelm erhielt das Amt des Militärgouverneurs von Rheinland-Westfalen und Mainz. 1857 erkrankte sein Bruder, der König, geistig schwer, so dass Wilhelm ein Jahr darauf die Regentschaft übernehmen musste. Am 2.1.1861, nach dem Tod Friedrich Wilhelms IV., wurde Wilhelm preußischer König. Schon zuvor, mit der Übernahme der Regentschaft, hatte Wilhelm eine "Neue Ära" der preußischen Politik angekündigt. Wilhelms Ziel war es, "moralische Eroberungen" in Deutschland zu machen. So leistete er bei der Amtsübernahme den Eid auf die Verfassung, da sie "nun mal da" war.
Der konservative Umschwung
Die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus im Dezember 1861 führten zu einem deutlichen Sieg der linksliberalen "Deutschen Fortschrittspartei". Als das Haus auf deren Antrag hin die Ausgabenpolitik der Regierung der parlamentarischen Kontrolle unterwerfen wollte, löste diese im März 1862 die Kammer kurzerhand auf und beendete damit die "Neue Ära". Noch im gleichen Jahr lehnte die weiterhin liberale Mehrheit des Abgeordnetenhauses die von Wilhelm und Kriegsminister von Roon geplante Heeresreform und -verstärkung ab. (...) Da Wilhelm keine Möglichkeit sah, sich mit seinen Vorstellungen durchzusetzen, erwog er Abdankungspläne, berief dann aber auf den Rat von Roons Otto von Bismarck als preußischen Ministerpräsidenten, der die Umgestaltung des Heereswesens einfach ohne Zustimmung des Abgeordnetenhauses vollzog und damit die Verfassung brach.
Die Ära Bismarck
Hier wie auch in vielen anderen Fällen folgte Wilhelm, wenn auch widerstrebend, seinem Ministerpräsidenten und späteren Kanzler. 1867 erhielt er durch Bismarcks Einigungspolitik das Präsidium des Norddeutschen Bundes. Am 18.1.1871 folgte dann in Versailles als Schlussstein dieser Politik die Ausrufung Wilhelms zum "Deutschen Kaiser". Differenzen führten bis 1877 zu mehreren Rücktrittsgesuchen Bismarcks, dessen Innenpolitik in den Gründungsjahren des Deutschen Reiches dem Kaiser oft zu liberal erschien. Alle Angebote Bismarcks, die Regierungsgeschäfte abzugeben, wies Wilhelm jedoch zurück, 1877, letztmalig, mit einem einzigen Wort: "Niemals!" Bis zum Tode Wilhelms am 9.3.1888 war Bismarck der eigentliche Regent Preußens und Deutschlands, ohne dass jedoch das Ansehen Wilhelms in der deutschen Öffentlichkeit darunter gelitten hätte. |