Start Lebenswege Karin Sousa, Abitur 1992 (Aug. 2006)
Karin Sousa, Abitur 1992 (Aug. 2006)
Dienstag, 30. Juni 2009 um 08:55 Uhr
Die schönsten Liebesbriefe
Karin Sousa stellt Robert Schumann als versierten Briefschreiber vor

Höxter/Tübingen. Der Komponist Robert Schumann ist für Karin Sousa "eine der großen Lieben meines Lebens", neben Ehemann und dem 16 Monate alten Sohn natürlich, mit denen sie in Tübingen lebt. Schon früh spielte sie Schumanns Werke auf dem Klavier, als sie noch das König-Wilhelm-Gymnasium in Höxter besuchte und mit ihrem Geige spielenden Bruder Karl, heute Konzertmeister im niederländischen Enschede, in Höxter als Duo auftrat.
Auch während des Studiums beschäftigte Schumann Karin Sousa immer wieder. Als Ergebnis der Auseinandersetzung erschien zum 150. Todestag des Komponisten eine Sammlung der Briefe Schumanns, die Karin Sousa mit ihrem Doktorvater Rüdiger Görner herausgab.
Seit der Schulzeit in Höxter widmet sich die 1973 in Sydney in Australien geborene, an der Weser aufgewachsene Karin Sousa den Bereichen Musik und Literatur. Nach dem Studium der Schul- und Kirchenmusik und Deutsch in Hannover promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft am Institute of Germanic Studies der University of London über Heinrich Heines "Buch der Lieder". Als Organistin war sie an Kirchen in Höxter, Hannover, Paris und London tätig. Für eine Gedichtsammlung erhielt sie 2001 den Förderpreis "Junge Kunst im Hochstift Paderborn".
Im Schaffen Schumanns, der viele Texte Heines vertonte, gehen Musik und Literatur enge Verbindung ein. Ton verstand Schumann als "componiertes Wort", Sprache sollte nach seiner Vorstellung musikähnlich und Musik Sprache werden.
Wie versiert Schumann mit Worten umging, zeigen die Briefe aus drei Jahrzehnten, seit dem Abitur, als der 18-Jährige auf einer Reise nach Bayreuth, Augsburg und München Heine begegnete. In den Briefen spiegelt sich die Zeit des Klavierunterrichts bei Friedrich Wieck, dem Vater seiner späteren Frau Clara, in Leipzig und der allen Widerständen trotzende Kampf um die verweigerte Eheerlaubnis, ebenso das von Tragik überschattete Lebensende in der psychiatrischen Anstalt in Endenich.
Bei der Auswahl ist es Karin Sousa darum gegangen, Schumann als einen äußerst gewandten und vielseitigen Briefschreiber vorzustellen und als einen Menschen, der nicht nur seine eigenen Interessen wahrnahm; er setzte sich für Komponistenkollegen ein, die wie er das Neue vertraten: die Romantik.
Die schriftlichen Zeugnisse erhellen den engen Zusammenhang zwischen Leben und Werk. Insbesondere die frühen Kompositionen sind nach Erkenntnis von Karin Sousa stark autobiographisch geprägt.
Auskunft darüber gibt vor allem der zweite Teil des Buches, der den Briefen an Clara vorbehalten ist, während der erste Teil Briefe an die Familie, an Freunde, Komponisten und Verleger umfasst. Die Aufteilung betont die sprachliche und emotionale Intensität der Liebesbriefe, die zu den schönsten in der deutschen Literatur gehören.

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Westfälischen vom 23.08.2006
Text: Christine Longère / Foto: Privat