Start Lebenswege Thorsten Sundermann, Abitur 1994 (Dez. 2006)
Thorsten Sundermann, Abitur 1994 (Dez. 2006)
Dienstag, 30. Juni 2009 um 10:01 Uhr

"Frauenthema" ebnet den Weg in die Bundesliga
Höxteraner Sundermann Geschäftsstellenleiter des Buxtehuder SV

Aktiv brachte es Thorsten Sundermann bis in die Handball-Oberliga. In seiner Freizeit coacht er heute den Oberliga-Nachwuchs in Buxtehude.


Höxter/Buxtehude (WB). Sein Alltag ist die Handball-Bundesliga der Frauen. Emotion und Leidenschaft für den Sport sind gepaart mit kaufmännischem Denken. Der Höxteraner Thorsten Sundermann ist beim Buxtehuder SV für Marketing und Sponsoring zuständig.
Als er vor zwei Wochen spontan seinen Vater Gerd als Trainer der A-Jugend des HLC Höxter vertrat, war es eine Rückkehr an seine Wurzeln. Handball spielte für Thorsten Sundermann stets eine wichtige Rolle. Bis zum ersten Jahr in der Herrenmannschaft spielte er beim HLC Höxter. Trainer war sein Vater Gerd. Auch während des Studiums und in den ersten Berufsjahren blieb er dem runden Leder aktiv verbunden.
Dass Sport auch im Berufsleben eine feste Größe wird, war zunächst nicht garantiert. Neben dem Studium der Sportwissen-schaft (mit Schwerpunkt Sportmarketing) besuchte Sundermann im Grundstudium die Vorlesungen der Wirtschaftswissenschaften für das Lehramt. "Als zweites Standbein", sagt der 31-Jährige. Auch im halbjährigen Praktikum bei Adidas in Herzogenaurach war Sport eher Nebensache. Sundermann arbeitete im Produktmanagement für Textilien. "Eine irre Erfahrung, in solch einem Weltunternehmen", denkt Sundermann gern an das freiwillige Praxissemester zurück.

Konkret Richtung Sport ging es mit seiner Diplomarbeit. Es gab eine Professorin, die ein "Frauenthema" anregte. "Tendenzen und Potentiale in der Vermarktung der Frauenhandballvereine" lautete die Marketinganalyse, für die er Interviews mit fünf Klubs aus der Handball-Bundesliga der Damen führte und den Preis der Paderborner Sportwissenschaft erhielt. Untersucht wurde neben dem HC Leipzig, DJK/MJC Trier und Teutonia Riemke auch die HSG Blomberg, wo er schon einige Jahre Handball spielte und einen Nebenjob in der Geschäftsstelle ausübte. Auch mit dem Buxtehuder SV nahm der Höxteraner Kontakt auf.
"Es war der 27. Dezember 2001, als ich im Schnee zum ersten Mal nach Buxtehude fuhr", erinnert sich Sundermann an das erste Treffen mit seinem heutigen Chef, dem ehrenamtlichen Manager Peter Prior. Doch zunächst gab es keinen intensiveren Kontakt, denn Anfang 2003 ging Sundermann für ein halbjähriges Praktikum bei einer Agentur für Sport- und Medienvermarktung nach Köln.
Als er sich später bei den Vereinen der Handball-Bundesliga bewarb, folgte unter anderem eine Zusage des Buxtehuder SV. Thorsten Sundermann ist dort seither für Sponsorengewinnung- und -betreuung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Golfen mit den Fußballern des FC St. Pauli oder jüngst der Besuch der Skihalle Bispingen stehen auf dem Programm.
Der BSV ist seit 1989 ununterbrochen in der Bundesliga. "Nur Bayer Leverkusen hat mehr Jahre", sagt Sundermann, der erklärt, dass Buxtehude in der ewigen Tabelle auf Rang vier steht. Ein Rang im oberen Drittel und ein Platz im Europacup ist stets das Ziel des BSV. 1994 gelang sogar der Gewinn dieses internationalen Wettbewerbs. Aktuell ist aber Tabellenkeller angesagt.
Millionenumsätze gibt es in der Handball-Bundesliga der Frauen nicht. Zwölf Feldspielerinnen und drei Torhüterinnen betreiben ihren Sport nur semiprofessionell. "100000 Euro kann ich höchstens durch 30 Werbepartner einsammeln", sagt Sundermann, der beim Buxtehuder SV eine Tätigkeit von A bis Z hat. Vor Spielen muss er aus einem Klassen- einen VIP-Raum machen, Werbemittel aufbauen. Gespielt wird in einer erweiterten Schulsporthalle. Von den 1600 Zuschauerplätzen sind im Schnitt drei Viertel gefüllt. "Wir haben gut 600 Dauerkarten verkauft. So viel hat sonst höchstens Leipzig, das Bayern München des Frauen-Handballs", sagt Sundermann stolz. Im Handball stehe das Budget eines Männer-Zweitligisten über dem eines Frauen-Erstligateams.
In Buxtehude (40000 Einwohner, 40 Kilometer südwestlich von Hamburg) will Sundermann die Vermarktung weiter professionalisieren, das Potenzial für schlagkräftigen Handball schaffen. "Ein Titelgewinn und eines Tages eine neue Halle, die Frauenhandball zum Event macht", lauten die Träume. Mittelfristig denkt man an die Schaffung eines Handballinternats. Der BSV legt großen Wert auf Nachwuchsförderung. 20 Jugendmannschaften gibt es. Die männliche A-Jugend ist in der Oberliga. Ebenfalls in der Oberliga spielen die B-Junioren, die Thorsten Sundermann in seiner Freizeit coacht. "Hier kann ich das, was ich früher mitbekommen habe, weitergeben". Seine Zeit als aktiver Sportler endete nach zwei Oberligajahren beim BSV mit der Geburt seines Kindes. Nun beweist er seine Talente im Marketing oder als Trainer. Seine Bilanz als Coach: Nach dem 31:27-Sieg im B-Jugend-Spitzenspiel gegen Tabellenführer THB Hamburg gehört sein Team zu einem punktgleichen Spitzentrio.

Westfalen-Blatt vom 16.12.2006
Text und Foto: Michael Risse