Start Lebenswege Claudius Wilhelms, Abitur 1999 (Febr. 2006)
Claudius Wilhelms, Abitur 1999 (Febr. 2006)
Dienstag, 30. Juni 2009 um 08:44 Uhr

Ein Sack voll Wärme heizt ein
Claudius Wilhelms gewinnt mit seinem Folienspeicher-Modell den Wissenschaftspreis

Höxter/Kassel. „Wir machen Warmwasser – keinen Strom“, stellt der frisch diplomierte Maschinenbauer Claudius Wilhelms gleich zu Beginn klar. Der 25-jährige ist ein Tüftler und will einen so genannten Folienspeicher auf den Markt bringen. In seiner Diplomarbeit hat er bereits einen Modell-Speicher entwickelt und dafür jetzt den Wissenschaftspreis des Handwerks gewonnen.
Das „Fuckeln und Basteln“ kennt der Ingenieur aus seiner Höxteraner Kinderstube. „Meine Eltern handeln sehr energiebewusst“, erzählt Wilhelms, „sie haben eine Solaranlage, eine Holzheizung und eine selbst gebastelte Regenwasseranlage.“ Das vorgelebte Umweltbewusstsein hat offensichtlich abgefärbt. Nach dem Abitur am König-Wilhelm-Gymnasium ging er zum Studium der Konstruktionstechnik nach Köln und wechselte 2003 an die Universität Kassel zum Fachbereich Maschinenbau.

Das Umweltbewusstsein ist geblieben. Heute bezeichnet sich Wilhelms als „überzeugten Energiesparer“. Eine Einstellung, die sich auch in seiner Diplomarbeit „Theoretische und experimentelle Untersuchung neuartiger Konzepte zur Warmwasserspeicherung für thermische Solaranlagen“ widerspiegelt. „In meiner Arbeit geht es um die Frage“, beginnt der gebürtige Göttinger mit der Übersetzung des wissenschaftlichen Fachlateins, „wie im Sommer die Wärme gespeichert wird, damit wir sie im Winter wieder nutzen können.“
Wenn Wilhelms von Wärmeerzeugung spricht, meint er damit die Warmwasserversorgung und die Heizungsunterstützung. Deshalb plant er einen Speicher, und zwar einen großen. 10.000 Liter - das entspricht etwa 50 Vollbädern - soll das Endprodukt fassen. Nur wie soll ein solcher Monstertank ins Eigenheim passen?
Auch an dieser Frage reibt sich der 25-Jährige auf. Zurzeit läuft eine heiße Testphase mit einem 500-Liter fassenden Prototyp-Speicher im Labor am Institut für thermische Energietechnik. „Im Prinzip ist das eine Plastiktüte, die ich mit Wasser befülle und immer wieder neu erhitze“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter mit einem Augenzwinkern.
Ein „Plastik“- beziehungsweise Folienspeicher erfüllt für den Maschinenbauer die idealen Voraussetzung, denn „der Speicher muss für den Einbau eher klein, aber für die Endleistung ziemlich groß sein.“ Mit seiner Speicheranlage hofft er 50 Prozent der fossilen Energieträger, wie Öl, einsparen zu können.
In drei bis vier Jahren will Wilhelms seine Arbeit und damit auch seine Dissertation abgeschlossen haben.
„Und wenn der Speicher funktioniert, werden sich auch die lokalen Handwerker freuen“, hofft der Tüftler, „sie können die Anlagen zusammenbauen, montieren und warten.“
Der Brückenschlag zwischen Forschung und Handwerk ist ein Grund, warum Wilhelms’ Diplomarbeit mit dem Wissenschaftspreis der Handwerkskammer Kassel ausgezeichnet wird. Am 18. Februar wird der Maschinenbauer im Kasseler Gießhaus seinen Preis entgegen nehmen. Aber das Preisgeld von 2.500 Euro will er nicht ganz und gar in die Forschung stecken: „Meine Familie soll auch was davon haben. Seit November bin ich nämlich stolzer Vater einer kleinen Tochter.“

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Westfälischen vom 04.02.2006
Text und Foto: Sandra Wamers