Start Lebenswege Christophe Darley, Abitur 2000 (Sept. 2006)
Christophe Darley, Abitur 2000 (Sept. 2006)
Dienstag, 30. Juni 2009 um 09:59 Uhr

Das europäische Profil schärfen
Podiumsdiskussion des CDU-Kreisverbandes mit Experten in Brakel

Kreis Höxter. Mit Europa ist es wie mit der Atmosphäre. Sie umgibt uns, ist von existenzieller Bedeutung aber wir nehmen keine Notiz davon. Dabei ist Europa auch eine große Vision, die Wahrheit wurde.
"Mit der Europäischen Union ist es gelungen, an die Stelle von Kriegen die demokratische Diskussion zu setzen", hielt Dr. Gerhard Sabathil (51), Leiter der deutschen Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin, ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Europa-Bewusstsein. 42 Prozent Wahlbeteiligung bei den letzten Wahlen zum Europäischen Parlament vor zwei Jahren haben gezeigt, dass auch bei den Menschen im Kreis Höxter das Gefühl europäischer Identität noch nicht allzu sehr verbreitet ist, auch wenn hier die Wahlbeteiligung mit 44,7 Prozent höher war als im Bundesdurchschnitt. Nicht zuletzt damit 2009 das Ergebnis besser ausfällt, hat der CDU-Kreisverband mit Christophe Darley (Höxter) die Stelle eines Europabeauftragten geschaffen.
Um das europäische Profil im Kreis Höxter weiter zu schärfen, hatte Darley am Montagabend im Hotel Löseke in Brakel ein europäisches Diskussionsforum organisiert, an dem rund 30 europapolitische Interessierte teilnahmen.

Ebenfalls auf dem Podium vertreten war der NRW-Europaminister Michael Breuer (40). Der CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Rhein-Erft-Kreis nannte das Europäische Parlament die nach Kommune, Land und Bund vierte parlamentarische Ebene. "Die Entscheidungen auf europäischer Ebene sind für das Bundesland NRW wichtiger als das eigene Landesparlament", sagte Breuer, vermied es aber dabei den rechts neben ihm sitzenden Landtagskollegen Hubertus Fehring aus Eissen anzublicken, der diesen Satz wohl nicht so wörtlich unterschrieben hätte.
Die Ablehnung des Entwurfs einer europäischen Verfassung durch Frankreich und die Niederlande sowie die Beitrittsdebatte um die Türkei hätten sich sehr schädlich auf die europäische Frage ausgewirkt, sagte Darley.

Bei allem Segen, den Europa über die Mitgliedsstaaten bringe, werde Brüssel aus nationalpolitischem Kalkül gern zum Sündenbock gemacht, um nationalstaatliche Versäumnisse zu kaschieren. Wenn Betriebe Arbeitsplätze in die ehemaligen Ostblockländer verlagerten, dann sei das eine Konsequenz aus dem Fall des Eisernen Vorhangs und nicht aus der Osterweiterung der EU.
"Die EU hat hier einen verlässlichen Rechtsraum für Arbeitsplätze geschaffen, die sonst nach Fernost abgewandert wären", sagte Sabathil. Auch seien durch die enormen Zuwächse im europäischen Binnenhandel in Deutschland weitaus mehr Arbeitsplätze entstanden, als durch Produktionsverlagerungen weggefallen wären.
Seine Europafreundlichkeit habe der Kreis Höxter gerade erst bei der Town-Twinning-Konferenz in Steinheim, mit dem Käsemarkt in Nieheim und den Brakeler Kulturtagen, bei denen am kommenden Wochenende der Europa-Partner Spanien im Mittelpunkt steht, unter Beweis gestellt, sagte die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Gudrun Borchers.
Allen Podiumsvertretern war es ein gemeinsames Anliegen, dass es gelingen möge, bis zur nächsten Europawahl 2009, die europäische Verfassung zu verabschieden. Denn sonst würden noch einmal 20 Jahre vergehen, fürchteten die Europaexperten.

Neue Westfälische vom 6. September 2006, Burkhard Battran