Start Lebenswege Kai Schmidt, Abitur 2006 (Febr. 2007)
Kai Schmidt, Abitur 2006 (Febr. 2007)
Dienstag, 30. Juni 2009 um 10:05 Uhr

Tonleitern frei kreiert
Kai Schmidt aus Fürstenberg gewinnt Bundeswettbewerb für junge Komponisten


Mathematische Folge von Skalen: Mit einer modernen Zwölftonkomposition hat Kai Schmidt, der hier an seinem elektronischen Klavier sitzt, die Jury überzeugt.Der Musenkuss ist nur der Anfang. Musik komponieren ist vor allem Fleißarbeit und Konzentration. Und dann stellt sich am Ende heraus, dass alles nichts taugt, weil die Idee doch nicht so gut war, wie anfangs vermutet. Umso größer die Freude, wenn eine Kompositionsarbeit schließlich doch einmal belohnt wird.
Fast ein Vierteljahr hat der Fürstenberger Nachwuchskomponist Kai Schmidt (20) an seiner "Fantasie für Violoncello, Querflöte und Englischhorn" gearbeitet. "Das Stück hat fünf Teile, die aber ohne Pause durchgespielt werden, so sechs Minuten dauert die ganze Komposition", erläutert der Abiturient des Höxteraner König-Wilhelm-Gymnasiums, der zurzeit seinen Zivildienst ableistet. Seine "Fantasie" hat Kai Schmidt an den bundesweiten Kompositionswettbewerb von Jeunesses Musicales Deutschland geschickt und ist erneut unter den Preisträgern.

Rund 200 junge Komponisten aus ganz Deutschland hatten sich beteiligt. Es werden dort keine ersten, zweite und dritte Plätze vergeben, sondern die zehn, zwölf Besten werden eingeladen, an einem Kompositions-Workshop teilzunehmen.
"Ich durfte im letzten Jahr schon mal teilnehmen, das war unglaublich interessant und sehr lehrreich, man macht sogar eine CD-Aufnahme seiner Komposition mit professionellen Musikern, aber das tollste ist, beim großen Abschlusskonzert die eigene Komposition live aufgeführt zu hören, das ist ein richtig erhabener Moment", gerät Kai Schmidt regelrecht ins Schwärmen.
"Fantasie für Violoncello, Querflöte und Englischhorn", die instrumentale Zusammensetzung des Trios lässt eine sanfte, romantisch angehauchte Kammermusik vermuten. Weit gefehlt. "Im letzten Jahr hatte ich mich mit einer eher konventionellen Komposition beteiligt, diesmal habe ich mich an einer modernen Kompositionstechnik versucht", erläutert der Organist der Fürstenberger Christuskirche.
Bei der "Fantasie" handelt es sich um eine Art Zwölftonmusik, bei der Kai Schmidt zwei Tonleitern frei kreiert hat, aus deren Tönen er sein Stück entwickelt hat. "Das sind jetzt auch keine klassischen Tonarten mehr, sondern eher mathematische Folgen von Skalen, die schließlich ein musikalisches System ergeben", erklärt der junge Komponist.
Vom 30. März bis 7. April nimmt Kai Schmidt an dem Komponisten-Workshop auf Schloss Weikersheim, dem fränkischen Stammsitz des Hauses Hohenlohe, teil. Eines scheint jetzt schon sicher. Dank der ungewöhnlichen Komposition von Kai Schmidt dürfte das große Abschlusskonzert diesmal ziemlich spannend werden.
Der Verein Jeunesses Musicales Deutschland wurde 1950 gegründet und hat seinen Sitz auf Schloss Weikersheim. Er ist ein Ableger der Fédération Internationale des Jeunesses Musicales zur Förderung des musikalischen Nachwuchses.

Text und Foto: Burkhard Battran, Neue Westfälische vom 23.2.2007