Start Lebenswege Anja Niedringhaus, Abitur 1986 (Mai 2008)
Anja Niedringhaus, Abitur 1986 (Mai 2008)
Dienstag, 30. Juni 2009 um 11:01 Uhr

"Mein Pulitzer-Anzug passt mir noch"
INTERVIEW: Pressefotografin Anja Niedringhaus erhält am Freitag den Medienpreis Goldene Feder

Höxter/Genf/Hamburg. Heute gibt der Bauer-Verlag offiziell bekannt, dass die aus Höxter stammende Fotografin Anja Niedringhaus (42), am Freitag in Hamburg neben Schauspieler Armin Müller-Stahl und Filmemacherin Doris Dörrie mit dem Medienpreis "Goldene Feder" geehrt wird. Burkhard Battran sprach gestern mit der ehemaligen NW-Mitarbeiterin.

Pressefotografin mit Weltruhm: Anja Niedringhaus hat sich 2006 ins Goldene Buch der Stadt Höxter eintragen.Sie sind Cheffotografin der Nachrichtenagentur AP, was ist heute Ihr Auftrag?
ANJA NIEDRINGHAUS: Im Moment bin ich in meinem Büro an unserem Redaktionssitz in Genf und befinde mich auf dem Sprung zur Versammlung der Weltgesundheitsorganisation, die ja hier in Genf ihren Sitz hat.
Am Freitag werden sie in Hamburg mit dem Medienpreis Goldene Feder geehrt, freuen Sie sich darauf?
NIEDRINGHAUS: Natürlich, das ist eine sehr renommierte Auszeichnung und das macht mich schon stolz.
2005 sind Sie als erste deutsche Journalistin überhaupt für Ihre Bilder aus dem Irak-Krieg in New York mit dem größten aller Medienpreise, dem Pulitzerpreis, ausgezeichnet worden, dagegen ist die Goldene Feder doch beinah unbedeutend, oder nicht?

NIEDRINGHAUS: Das seh ich ganz und gar nicht so, ich freue mich sogar sehr, dass mir mit der Goldenen Feder eine deutsche Auszeichnung verliehen wird. Gerade wenn jemand wie ich, vorwiegend im Ausland tätig ist, tut es doch richtig gut, in der Heimat nicht vergessen zu werden.
Zur Preisverleihung am Freitag findet in Hamburg eine große Gala mit ganz viel Prominenz statt. Wissen Sie schon, was Sie anziehen werden?
NIEDRINGHAUS: Keine Ahnung, über solche Sachen mache ich mir auch keine Gedanken. Ich gehe bestimmt nicht los, damit ich noch was Neues zum Anziehen finde. Zur Not ziehe ich meinen Pulitzer-Anzug noch mal an, der passt noch.
Liegt es daran, dass wenn man wie Sie als Kriegsfotografin unter Lebensgefahr über die Krisenregionen dieser Welt berichtet, Fragen, wie was ziehe ich heute an, irrelevant werden?
NIEDRINGHAUS: Ganz sicher hat das was damit zu tun, aber ich muss auch zugeben, dass mir meine Zeit einfach auch zu kostbar ist, als dass ich sie mit Shoppen verschwenden würde, obwohl ich mich auch freue, wenn ich dann mal ein bisschen schicker aussehe.
Waren Sie in letzter Zeit nochmal im Irak?
NIEDRINGHAUS: Gerade erst im Februar bin ich aus einem Irakeinsatz zurückgekommen. Sechs Wochen war ich dort unterwegs. Es gibt leider nicht viel, was einen hoffnungsfroh stimmen könnte.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?
NIEDRINGHAUS: Dies wird für mich ein echter Sportsommer. Gerade bin ich in den Vorbereitungen zur Fußball-Europameisterschaft, dann kommt Wimbledon und natürlich die Olympischen Spiele in Peking.
Ist das nicht wie eine Erholung, wenn Sie nun statt Krieg Sport fotografieren können?
NIEDRINGHAUS: Aus beruflicher Sicht ist beides anspruchsvoll und da ist auch nicht das eine leichter als das andere. Außerdem weiß man nie, was nach den sportlichen Wettkämpfen noch passiert. Aber es stimmt schon, natürlich ist die Sportberichterstattung weniger gefährlich und entbehrungsreich.
Freuen Sie sich auf die Fußballeuropameisterschaft?
NIEDRINGHAUS: Auf jeden Fall, ich pendle ja immer zwischen meinen Wohnsitzen in Kassel und Genf. Die EM kann ich, da ich nur über Spiele in der Schweiz berichten werde, ganz bequem von Genf aus bedienen und sogar jede Nacht in meinem eigenen Bett schlafen. Das ist für mich schon beinahe richtiger Luxus.

Text und Foto: Burkhard Battran, Neue Westfälische vom 20.05.2008