Start Lebenswege Christoph Grüder, Abitur 1993 (Mai 2008)
Christoph Grüder, Abitur 1993 (Mai 2008)
Dienstag, 30. Juni 2009 um 11:02 Uhr
Modernes Design in altem Bau
Christoph Grüder gestaltet Erscheinungsbild des Forums Jacob Pins

Höxter. "Die Arbeit an der grafischen Gestaltung des Forums Jacob Pins war für mein Team sehr spannend und interessant. Ich bin stolz darauf, mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Erfolg des Projektes beizutragen", sagt Christoph Grüder. Das Vorhaben der Jacob-Pins-Gesellschaft, in dem alten Adelshof in der Westerbachstraße einen Ort für Kunst und zugleich eine Stätte des Gedenkens und Erinnerns zu schaffen, hielt er für "eine geniale Idee", die Unterstützung verdiente.
Stolz auf ihr Werk: Das Forum Jacob Pins, an dessen Gestaltung sie als Designteam mitwirkten, besuchte Christoph Grüder zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen.Das ansprechende Design, mit dem sich der Höxteraner Kunstverein in der Öffentlichkeit präsentiert, ist sein Werk. 1973 in Höxter geboren, besuchte Christoph Grüder bis 1993 das König-Wilhelm-Gymnasium. Schon während der Schulzeit war er sicher: "Das kreative Gestalten ist meine Welt." Nach dem Abitur studierte er Grafik-Design an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und an der School of Art & Design der Universität Salford, Manchester. Nachdem er bereits für Kunden wie Volkswagen, Porsche, Bentley, Leica und Siemens gearbeitet hatte, machte er sich selbständig. 2006 gründete er die Agentur Cogneus Interface Design in Braunschweig, die er als Geschäftsführer leitet. Daneben unterrichtet er an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, außerdem machte er sich als Autor von Fachbüchern, Fachartikeln sowie Videotrainings einen Namen.
"Als Designteam achten wir nicht nur auf die Optik, sondern legen auch einen hohen Wert auf die Funktionalität und technische Herausforderungen", erklärt Grüder. Neben dem Interface Design, bei dem es um den Dialog von Mensch und Maschine und die Entwicklung grafischer Bedienoberflächen geht, bildet das Corporate Design einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Zu verstehen ist darunter die Gestaltung des Erscheinungsbildes von Firmen, Produkten oder Marken.
Sein Knowhow und seinen Ideenreichtum auf diesem Gebiet stellte Grüder in Form einer Spende in den Dienst der Jacob-Pins-Gesellschaft. Ergebnisse sind unter anderem die benutzerfreundliche Website des Höxteraner Kunstvereins, die gelungene grafische Gestaltung der Monografie Jacob Pins und das visuelle Leitsystem, das den Besuchern des Forums im Adelshof Orientierungshilfe bietet.
Das Logo, das Cogneus für das Forum Jacob Pins entwickelte, findet sich nicht nur auf Eintrittskarten und Einladungen, Plakaten und Publikationen wieder, sondern schmückt in leuchtendem Orange auch die Laterne an der Straßenseite. Ausgangspunkt für den Entwurf waren, wie Grüder erläutert, die kontrastreichen expressionistischen Holzschnitte im Werk des jüdischen Künstlers mit den erkennbaren Strukturen des Druckstockes: "Die Nähe seiner Drucktechnik zum traditionellen japanischen Holzschnitt soll über die Sonnenform zum Ausdruck kommen. Der gewählte Ausschnitt mit einer geschwungenen Linie erinnert an den Lauf des Flusses Weser, der ihm vielfach als Motiv diente."
"Als gebürtiger Höxteraner freue ich mich sehr, dass die Kunst von Jacob Pins im restaurierten Adelshof einen würdigen Ort gefunden hat. Aber auch das Erinnern an die jüdischen Mitbürger findet endlich einen angemessenen Platz in Höxter", hebt Grüder hervor. Seine Mitwirkung daran möchte er auch als Geschenk an seine Heimatstadt verstanden wissen.

Text: Christine Longère - Foto: Gerald Dunkel, Neue Westfälische vom 20.05.2008