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Kai Schmidt, Abitur 2006 (Sept. 2010)
Mittwoch, 06. Oktober 2010 um 14:03 Uhr

Musik-Ass sahnt ab

Kai Schmidt aus Fürstenberg gewinnt bei europäischem Wettbewerb


Wenn Kai Schmidt sich die Aufnahme seines Werkes anhört, bekommt er leuchtende Augen. Ein 16-köpfiger Chor singt seine eigene Komposition: Ein Klavierlied von Richard Strauss, das er selbst umgeschrieben hat. Das Arrangement hatte der 23-Jährige beim Wettbewerb „Europäisches Chorforum für junge Komponisten“ eingereicht – und gewonnen. Der Preis: Ein professioneller Chor singt sein Stück bei einem Konzert.
Bei dem europaweiten Wettbewerb wurden acht Komponisten als Sieger ausgewählt. Sie gewannen einen einwöchigen Meisterkurs in Baden-Württemberg mit hochkarätigen Dozenten. Die Werke der Gewinner wurden in diesen sieben Tagen vom Orpheus Ensemble vom Carus Verlag einstudiert und am Ende der Woche in einem Konzert aufgeführt.

Eine Aufnahme dieser Aufführung hat Kai Schmidt nun auf seinem Laptop. Bei dem einwöchigen Kurs in Ochsenhausen waren zwei Dozenten aus Schweden (Professor Gunnar Eriksson und Thomas Jennefelt), eine Komponistin aus München und eine Chorleiterin aus Schweden dabei.
Kai Schmidt machte sein Abitur am König-Wilhelm-Gymnasium in Höxter und studiert nun an der Musikhochschule Detmold Schulmusik und an der Uni Paderborn Chemie für das Lehramt. Abgesahnt hat der junge Komponist schon bei mehreren Wettbewerben: Den Bundeswettbewerb „Komposition“ hat er schon zweimal gewonnen, bei „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“ ist er Preisträger auf Landesebene. Bei dem europaweiten Wettbewerb hatte sich Kai Schmidt allerdings keine großen Chancen ausgerechnet; allein schon wegen der großen Konkurrenz. Die anderen Gewinner kamen unter anderem aus Frankreich, Schweden, Österreich und der Schweiz.
Beim Abschluss-Konzert der Meisterwoche saß der Fürstenberger dann ganz gespannt im Publikum. „Meine Arbeit hatte ich ja eigentlich schon zu Hause erledigt“, erklärt er. Als Komponist hat der Musiker schließlich keinen Einfluss mehr auf das Gelingen des Auftrittes. Trotzdem sei er sehr nervös gewesen, wie sein Werk beim Publikum ankommt. Sehr gut, wie sich später herausstellte. Die 200 Zuhörer seien von allen Kompositionen des Abends begeistert gewesen.
Das Klavierlied von Richard Strauss hat Kai Schmidt mit Bedacht ausgewählt. „Das habe ich selbst mal gesungen und mich sofort darin verliebt“, sagt er und schmunzelt. Eigene Lieder komponiert hat der Musik-Student schon öfter, richtigen Unterricht im Komponieren hatte er allerdings nie. „Ich lese und kenne viele Lieder und habe dann immer wieder eigene Stücke geschrieben und die hin und wieder auch mal meinem Lehrer gezeigt“, berichtet er. Meistens fange er an zu schreiben, „und dann kommt das einfach so“, erklärt er.
In einem Jahr will der 23-Jährige sein Examen machen. Wie es danach für ihn weitergeht, weiß er noch nicht genau. Zum einen hat er eine Promotionsstelle für Musikpädagogik in Aussicht. Zum anderen hat ihm ein Professor der Meisterwoche in Baden-Württemberg geraten, er solle doch noch ein Kompositions-Studium dranhängen. Da nehmen sie nur Studenten bis 25 Jahren, Schmidt müsste sich dann also beeilen. Ganz sicher ist sich der begabte Musiker, dass er Lehrer werden will. Das weitere Studium würde ihn allerdings schon reizen. Er erklärt: „Das wäre quasi noch so ein Zusatz, den ich mir gerne gönnen würde.“

Die Tücke mit dem Wetten

Kai Schmidt hat auch beim Wettbewerb um den Förderpreis „Junge Kunst im Hochstift“ mitgemacht.
Mit einem Sieg hat er da nicht gerechnet. So hat der Fürstenberger aus Spaß eine Wette abgeschlossen. Nebenher leitet der junge Musiker nämlich noch den Chor in Fürstenberg. Eines der Mitglieder hatte gewettet, dass Schmidt den Wettbewerb „Junge Kunst im Hochstift“ gewinnt. Und der 23-Jährige hatte dagegengehalten. Der Wetteinsatz: Eine Musik-Anlage für den Chor, falls Schmidt gewinnt.
Tja, gewonnen hat er dann tatsächlich. Und die Sänger in Fürstenberg konnten sich freuen, schließlich gab es für sie eine nagelneue Anlage.

Komponieren in der Sonne: Kai Schmidt setzt sich schon mal gerne mit seinem Schreibblock nach draußen. Die Methode hat sich bezahlt gemacht. Der junge Musiker gewann beim europäischen Wettbewerb „Europäisches Chorforum für junge Komponisten“.
Arrangement: Ein Klavierlied von Richard Strauss hat sich Kai Schmidt vorgenommen und es für einen achtstimmigen Chor umgeschrieben.


Text und Fotos: Julia Radtke, Neue Westfälische, 25. September 2010