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Clemens Brinkmann, Abitur 1981 (Febr. 2011)
Samstag, 19. Februar 2011 um 20:54 Uhr

Süße Botschaft aus Höxter

Clemens Brinkmann ist als Marzipankünstler europaweit gefragt - Merkel und Wulff begeistert

 

Was haben Kanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff, das norwegische Königspaar, Götz George, Cindy aus Marzahn und die Höxteraner gemeinsam? Alle lieben das Marzipan von Clemens Brinkmann.

Der Konditormeister aus der Kreisstadt hat 2005 sein Café in Höxters Stummrigestraße verpachtet und widmet sich seitdem der Marzipankunst. Und die beherrscht er wie kein Zweiter. Europaweit wird der 49-Jährige angefragt, wenn es darum geht, auf Messen, in TV-Shows oder für Feste kleine Geschenke und Accessoires aus Marzipan herzustellen. "Ich bin vor Jahren spontan für Firmen aus Höxter mit auf Messen gefahren und habe an den Ständen mit Marzipan gearbeitet. Das hat sich schnell herumgesprochen und dazu geführt, dass ich viele Aufträge bekam und ich für mich einen völlig neuen und attraktiven Markt erschlossen habe", berichtet der dreifache Familienvater.

Wenn die MDR-Talkshow "Riverboat" bei Brinkmanns in Höxter anruft und kurz vor dem Sendetermin eine große Torte mit der Marzipannachbildung des Comedystars Cindy aus Marzahn bestellt, dann liefert Clemens Brinkmann prompt.

Auf der Cebit 2010 haben Kanzlerin Merkel und Spaniens Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero am Fujitsu-Messestand Halt gemacht und wurden mit Brinkmann-Marzipan beköstigt. "Frau Merkel erhielt bei ihrer Stippvisite einen Laptop aus Marzipan", schildert der Konditormeister. "Marzipan ist ein Medium, das Herzen öffnet. Das kommt immer gut an", meint der Höxteraner.

Sogar royale Gäste waren von den Spezialitäten von der Weser begeistert: In Stavanger ließen sich König Harald und König Sonja von Norwegen in die Geheimnisse der Marzipankunst einweihen. Egal, ob Bundespräsident Christian Wulff (er lobte sein Niedersachsenpferd aus Marzipan in höchsten Tönen) oder Schauspieler Götz George: "Viele fragen nach den Zutaten für die Nascherei", weiß Brinkmann. Aromatische, blanchierte und geschälte Mandeln aus dem Mittelmeerraum sowie Zucker - und keinerlei Zusatzstoffe - das gebe den herrlichen Marzipangeschmack.

Der Marzipankünstler fertigt jedes gewünschte Motiv in wenigen Minuten an. Die handwerklich-künstlerische Arbeit überrascht viele Messebesucher. "Marzipanpräsente werden durch die Hallen getragen und sorgen als Hingucker für viel Aufsehen", hat Clemens Brinkmann oft erlebt. Das Brandenburger Tor aus Marzipan, Firmenlogos oder eine Prinzessin-Diana-Gedächtnistorte: Es gibt keine noch so schräge Idee, die der Meister nicht umsetzen kann.

"Ich habe die Aufgabe des Cafés und die Spezialisierung nie bereut. Man sollte heute die Sparte machen, die man am besten kann", so Brinkmanns Philosophie. Er hat Erfolg damit. Größter Nutznießer seiner Arbeit als Chef der eigenen Firma "Marzipan Creativ" ist seine Familie: Jetzt ist der Papa auch mal daheim; früher im Café hatte das Jahr immer 365 Arbeitstage.

 

Zur Person

 

Clemens Brinkmann (geboren 11.11.1961) hat am KWG in Höxter 1981 sein Abitur abgelegt. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr in Höxter begann er eine Konditorenlehre im Café Möller in Bielefeld. Nach Gesellenjahren in Detmold, Köln und Münster musste er früher als geplant - nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Karl Brinkmann - 1987 die Meisterprüfung ablegen. Er übernahm 1988 das 1802 gegründete elterliche Café Brinkmann in Höxters Innenstadt. Der Vater von drei Kindern (Anne 19, Greta 15 und Julius 13) betreibt noch heute seine Marzipanbackstube im Haus Stummrige Straße 1. Das Café selbst ist verpachtet und als "Aroma" mit Außengastronomie bei vielen jungen Leuten sehr beliebt.

Die Vorfahren von Clemens Brinkmann haben vor 200 Jahren den väterlichen Betrieb in Höxter gegründet. Der Urgroßvater mütterlicherseits war Bäcker Hottensen (Westerbachstraße/früher Haus Tofaute), der seinen berühmten Zwieback bis in die USA und nach Australien exportierte.

 

Text und Fotos: Michael Robrecht, Westfalen-Blatt vom 19.02.2011