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Thorsten Kanand, Abitur 1987 (März 2011)
Freitag, 11. März 2011 um 14:58 Uhr

Stadtansicht aus der Vogelperspektive

Thorsten Kanand realisiert mit seiner Firma „Air Rotor Media“ außergewöhnliche Bild- und Filmaufnahmen

 

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Thorsten Kanand tut es und das mit großem Erfolg. Der Diplom-Ingenieur und Tüftler schreibt mit seinem Mitarbeiter Frank Potthast täglich Geschichte. Denn sie halten die Welt am Boden mit ihren spektakulären Aufnahmen aus der Vogelperspektive fest.

Der Himmel ist grau und der Wind zerzaust jede neue Frisur, dennoch starten Kanand und Potthast ihre Maschine, die aus maximal zulässigen 100 Metern Höhe großformatige Fotos in bestechender Qualität liefert. Im Fliegerjargon wird sie schlicht „Schwebeplattform“ genannt, denn sie kann mehrere Funktionen erfüllen und mit unterschiedlichen Geräten ausgestattet werden. „Ob nun aussagekräftige Bilder von Privathäusern oder eines ganzen Stadtviertels für den Planer geordert werden, oder per Wärmebildkamera eine vermisste Person gesucht wird - mit unserem Airrobot sind diese Herausforderungen alle zu meistern“, betont der 43-jährige Thorsten Kanand im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Die Großbaustelle Kaufland in Höxter ist ein Beispiel, wie man aus der Luft den perfekten Eindruck vom Ausmaß des Projektes bekommt. Auch die geplante Ortsumgehung in Godelheim könnte mit Hilfe der Aufnahmen von „Air Rotor Media“ die Visualisierung bekommen, die von Bürgern gewünscht wird.

Die Flugtechnik hat der leidenschaftliche Modellflieger im Laufe der vergangenen Jahre ständig verfeinert. Inzwischen ist der „Fotograf mit vier Propellern“ zielgenau zu steuern. Die Wackelprobleme der früher meist eingesetzten Modell-Hubschrauber gehören der Vergangenheit an. Heute wird das mit Technik vollgestopfte Fluggerät ständig mit GPS-Daten gespeist. „Wenn ich also eine bestimmte Koordinate anfliegen will, dann gleicht der Airrobot wie ein Autopilot mögliche Störungen in Form von Seitenwinden selbstständig aus. Aufnahmen gelingen deshalb in einer bislang nicht für möglich gehaltenen Qualität.“

Alles funktioniert über Akkustrom und die vier Rotoren drehen sich so lautlos, dass Kanand und sein Mitarbeiter Potthast (als Flugfernlenkführer) längst begehrte Geschäftspartner von Verbänden wie dem BUND, NABU und WWF geworden sind. „Wir fliegen in Bereiche, die nicht einmal Extremkletterer erreichen und filmen Brutstätten von seltenen Greifvögeln. Es gibt keine Geräuschemission und wir bekommen einzigartige Aufnahmen für die Naturkundler.“

Für die Forstwirtschaft erstellt das Kanand-Team Fotos von pilzbefallenen Bäume, sie fliegen direkt zur Krone. Diese Kontrolle war bislang nur mit großem technischen und vor allem zeitlichen Aufwand möglich. „Bei uns dauert es nur Minuten, die Daten werden direkt von oben an unsere Bodenstation übertragen. Wir behalten alles per Monitor oder Videobrille im Blick!“ In Vorbereitung ist nun der große Bruder des jetzigen Fluggerätes, ausgestattet mit sechs Rotoren und einer Weite von 1,80 Metern. Kanand: „An die Eigenkonstruktion befestigen wir eine schwere Digitalkamera mit Objektiv. Dann können wir Filme in nahezu Kinoqualität, zum Beispiel für Firmenportraits, realisieren.“

 

 

Dipl.-Ing. Thorsten Kanand und sein Mitarbeiter Frank Potthast (rechts) beherrschen die Technik.

Lautlos bewegt sich der Airrobot mittels vier Rotoren in die Höhe. Per GPS-Daten kann die Schwebeplattform einen festen Punkt in der Luft halten, dadurch gelingen gestochen scharfe Bilder.

 

 

Text und Fotos: Harald Iding, Westfalen-Blatt vom 10.03.2011