Start Lebenswege Sören Schaefer, Abitur 1997 (Juli 2011)
Sören Schaefer, Abitur 1997 (Juli 2011)
Samstag, 16. Juli 2011 um 20:40 Uhr

Ein Beruf zum Abheben

Serie „Menschen 2011“: Sören Schaefer fliegt in aller Herren Länder

 

Wenn Sie in den Sommerferien nach Kanada oder Hongkong fliegen sollten, begrüßt Sie möglicherweise dieser Höxteraner aus dem Cockpit: Sören Schaefer ist Pilot bei der Lufthansa. In der 19. Folge der WESTFALEN-BLATT-Serie „Menschen 2011“ berichtet er über seinen Beruf.

Heute Kanada, nächste Woche Peking und danach San Francisco. Sören Schaefer kommt in der Welt herum. Er hat den Beruf, von dem viele träumen: Als Pilot steuert der 34-Jährige für seinen Arbeitgeber Lufthansa einen Airbus A 340. Und auch privat schwebt er gern über den Dingen. Sein Hobby ist der Segelflug.

 Die Leidenschaft zur Fliegerei wurde früh geweckt. „Mit neun Jahren habe ich beim damaligen Aeroclub Höxter mit dem Modellflug begonnen. Alles, was mit Fliegen zu tun hat, habe ich förmlich aufgesogen. Mit 14 Jahren wurde ich dann Segelflugschüler. Mit 17 Jahren habe ich die Segelflug-Lizenz erworben, und seit sechs Jahren bin ich Berufspilot“, berichtet der gebürtige Höxteraner, dessen Heimatflughafen München ist.

Um zu seiner Arbeitsstelle zu kommen, startet der Sohn der Höxteraner Kaufleute Carl und Liesel Schaefer vom Flughafen Hannover aus Richtung München. Dort steigt er dann ins Cockpit. Per Direktflug steuert er die entferntesten Ziele der Welt an. Doch: Wie wird man überhaupt Pilot?

„Voraussetzung ist Abitur und eine normale körperliche Fitness. Bei der Lufthansa darf man zudem nicht älter als 27 Jahre sein. Beginnen kann man mit 19 Jahren, die Verkehrspilotenlizenz kann man mit 21 Jahren absolvieren“, berichtet der 34-Jährige, der trotz seiner Größe von 1,95 Metern keine Platzprobleme im Cockpit kennt.

„Für die Pilotenausbildung bewerben sich immer sehr viele, es werden aber nur drei bis fünf Prozent der Bewerber genommen. Viele scheitern an den Tests, die vier Tage dauern. Die Zahl der Frauen nimmt übrigens stetig zu“, erklärt Sören Schaefer.

Vor der zweieinhalbjährigen Ausbildung stehen also einige Hürden. Merkfähigkeit, Mathematik, Englisch, logisches Denken: Wie der Pilot berichtet, müsse man in allen Bereichen durchschnittliche Leistungen erbringen. Danach kommen die psychologischen Tests - Teamfähigkeit ist auch über den Wolken besonders wichtig.

Wer die Ausbildung hinter sich hat, wird zunächst auf der Kurzstrecke eingesetzt. „Das ist eigentlich der spannendere Teil, weil es mehr Starts und Landungen gibt.“ Die Langstrecke habe zudem den Nachteil, dass man sich viele Nächte um die Ohren schlage. Für die Strecke München-San Francisco und zurück beträgt die reine Flugzeit 24 Stunden - effektiv sei man aber drei bis fünf Tage von zu Hause weg. Pro Monat sei er bis zu 20 Nächte von seiner Frau getrennt, sagt der Pilot, der trotzdem seinen Beruf liebt - nicht zuletzt auch deswegen, weil er nie „Arbeit mit nach Hause nimmt“, wie es in anderen Bereichen oftmals der Fall sei.

Zusammen mit seinem 24-jährigen Bruder Michel, der ebenfalls eine Ausbildung zum Berufspiloten absolviert, hat Sören Schaefer das ehemalige Höxteraner Segelschulflugzeug in aufwändiger Arbeit restauriert und wieder flugfähig gemacht. Es wird liebevoll Lilli genannt. „Damit besuche ich hin und wieder meine Eltern in Höxter“, berichtet der Pilot, der vom Ith aus startet und dann - ohne einen Tropfen Benzin verbraucht zu haben - auf dem Räuschenberg in Höxter-Brenkhausen landet. Das (nahezu) geräuschlose Hobby sei die günstigste Methode zu fliegen, sagt Sören Schaefer. Und: Es biete die perfekte Möglichkeit, sich schon in frühen Jahren für die Fliegerei zu begeistern.

Der 34-Jährige, der auch Segelfluglehrer ist, hat vor diesem Hintergrund in Höxter seine Hilfe angeboten. Und mal sehen: Vielleicht erwächst ja aus dieser Idee irgendwann einmal der nächste Berufspilot, der die Menschen in ferne (Urlaubs-)Länder bringt.

 

Ingo Schmitz, Westfalen-Blatt vom 16.07.2011