Start Lebenswege Andrea Höing, Abitur 1999 (August 2011)
Andrea Höing, Abitur 1999 (August 2011)
Donnerstag, 25. August 2011 um 07:28 Uhr

Höxteranerin lebt mit Orang Utans - Expedition im Regenwald von Borneo

 

Die aus Lütmarsen stammende Studentin Andrea Höing ist erneut zu einer Expedition in den Regenwald von Borneo aufgebrochen. Sie sammelt Daten der vom Aussterben bedrohten Orang Utan-Affen.

Seit Juli erforscht ein Team internationaler Wissenschaftler ein bislang noch unerkundetes Gebiet in Borneo. Unter den Forschern, die drei Monate im Regenwald bleiben, ist auch die 31-jährige Bionik-Studentin. Ende September will Andrea Höing wieder zurück in Deutschland sein.

Die Expedition findet im Murung-Raya-Gebiet von Indonesien statt. Während der Expedition werden Untersuchungen zur Artenvielfalt unternommen. Das Team wird Basisdaten zu Orang Utan-, Vogel-, kleine Säugetier- und Gibbonpopulationsdichten sammeln. Weiterhin werden Daten zum Vorkommen von verschiedenen Insektenarten und großen Säugetieren aufgenommen.

Obwohl das Gebiet noch unerforscht ist, sind amtliche Konzessionen vergeben worden, um Bodenschätze hier abbauen zu dürfen. Das Team erhofft sich, durch wissenschaftliche belegte Gutachten zum Vorkommen von gefährdeten Arten und wachsendes öffentliches Interesse, das Waldgebiet vor dem zerstörerischen Abbau von Holz, Kohle und Gold zu schützen.

Ein weiteres Team der Expedition wird drei Monate in den Dörfern mit der einheimischen Bevölkerung leben, um zu verstehen, wie diese die Bodenschätze des Waldes nutzen. Ziel ist es, die Auswirkung der kommerziellen Interessen darzulegen. Die Einheimischen werden in der Benutzung von GPS-Geräten trainiert. Diese sollen dann zu ihren täglichen Arbeiten in der Umgebung mitgenommen werden. Die Einheimischen sollen so für sie wichtige Orte markieren, zum Beispiel, wo sie Nahrungsmittel gefunden haben oder spirituell wichtige Orte. Anschließend werden Karten, die die soziale Wichtigkeit des Gebietes aufzeigen, erstellt. Diese Karten dienen den Forschern nicht nur, um mehr über die Abhängigkeit der Menschen von der Natur zu erfahren. Außerdem geht es darum, die Lebensweisen der Menschen zu schützen.

Das Team setzt sich aus deutschen, englischen, tschechischen und amerikanischen Forschern zusammen, die die Expedition seit über einem Jahr vorbereiten, um komplizierte Logistik und unterstützende Netzwerke zu schaffen. Nach der Expedition sind eine Reihe von Vorträgen sowie ein Bericht für die indonesische Regierung geplant.

Schon im Jahr 2008 ist Andrea Höing in Borneo gewesen. Damals sagte sie dem WESTFALEN-BLATT: „Jahrelang hatte ich den Traum, einmal durch den Regenwald Borneos oder Papuas zu streifen. Dann bekam ich tatsächlich die Gelegenheit dazu. Wilde Orang Utans und Gibbons in der Natur erleben - das werde ich nie vergessen.“

Vor drei Jahren beobachtete sie die frei lebenden Gibbonaffen im Regenwald und dokumentierte ihr Verhalten. Außerdem wurden für die Feldstudie Nahrungsproben analysiert. Andrea Höing erklärt: „Durch die stete Abholzung der Wälder in Indonesien wird den Tieren ihr natürlicher Lebensraum genommen. Von 2000 bis 2001 hat die Orang Utan-Population deswegen um ein Drittel abgenommen. Dabei muss man sich bewusst machen, dass es Orang Utans weltweit nur auf Borneo und Sumatra gibt“, erklärt die Wissenschaftlerin.

 

Westfalen-Blatt vom 24.08.2011