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Klaus Töpfer, Abitur 1959 (Nov. 2011)
Mittwoch, 16. November 2011 um 13:52 Uhr

Klaus Töpfer ist Höxters Ehrenbürger
Ehemaliger Bundesminister nimmt Auszeichnung gerührt entgegen - Werbung für seine Heimatstadt

 

Er ist der wohl bekannteste Bürger der Stadt Höxter, der in der ganzen Welt einen Namen hat: Professor Dr. Klaus Töpfer. Am Samstag ist der 73-Jährige zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt worden.

Die feierliche Verleihung der Ehrenbürgerschaft war gekennzeichnet von großen Gefühlen. Nicht nur der neue Ehrenbürger, sondern auch mancher Gast zeigte sich zutiefst bewegt. "Das passiert mir nicht oft, aber ich war sprachlos, als ich hörte, dass man mich als Ehrenbürger dieser Stadt vorgeschlagen hat", erklärte Töpfer.
Bürgermeister Alexander Fischer erläuterte, dass der Vorschlag auf Initiative des Heimat- und Verkehrsvereins erfolgt sei und der gesamte Rat einstimmig für die Ernennung gestimmt habe. Fischer ging auf die Verdienste des Ehrenbürgers ein. Als Bundesumweltminister habe Töpfer den gelben Sack eingeführt und gelte heute als einer der ersten, die unser Land von der Wegwerfgesellschaft zur Wiederverwertung geführt habe. Er setze sich zudem für den Einsatz erneuerbarer Energien ein. Er sei Weltreisender in Sachen Umwelt und Dritte Welt - stets betonend, wie wichtig für ihn Nachhaltigkeit sei. Trotz seines weltweiten Engagements habe Klaus Töpfer Höxter nicht vergessen - die Stadt, die ihm nach der Flucht seiner Familie aus Schlesien 1945 zur neuen Heimat wurde.
Fischer bezeichnete Töpfer als Vorbild. Die Auszeichnung diene dazu, Dank zu sagen für sein besonderes Engagement für Höxter. Er sei "authentisch und bodenständig" und werde noch viele Brücken schlagen - zum Wohle Höxters und der hier lebenden Menschen. "Wir möchten Herrn Töpfer bestärken, sein Werben für eine nachhaltige Zukunft fortzusetzen", sagte Fischer.
Professor Dr. Klaus Töpfer bedankte sich herzlich für die große Ehre, die ihm durch die Ehrenbürgerschaft zuteilwerde - zumal er nicht in dieser Stadt geboren sei. Durch Zufall sei er nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie "wie Strandgut nach Höxter geschwemmt worden". Mit Blick zurück auf die Wirren des Krieges und die Flucht aus Schlesien beschrieb sich Töpfer als siebenjähriger Junge, gepeinigt und verfolgt von Alpträumen und schrecklichen Bildern in seinem Kopf. Man sei nach Höxter gekommen, immer mit dem Gedanken, wieder zu gehen. "Es war damals überhaupt nicht denkbar, dass ich hier eines Tages stehen würde, um Ehrenbürger zu werden", sagte Töpfer sichtlich gerührt.
Es gebe Untersuchungen darüber, dass Kinder der ersten Flüchtlingsgeneration gekennzeichnet seien von einer inneren Getriebenheit, einer Unrast. Sie seien unbewusst auf der Suche, ohne recht zu wissen, was das Ziel sein könnte. "Deswegen ist es nicht nachvollziehbar, welche Bedeutung eine solche Ehrung eines Bürgers hat, der eigentlich kam, um zu gehen. Das ist unfassbar für mich."
Er appellierte an die Menschen dieser Stadt, Verantwortung zu übernehmen. Die Bürger sollten sich nicht scheuen, in die Kritik zu geraten, weil sie eine Meinung haben.
Er verstehe die Ehrenbürgerschaft nicht als rückblickende Ehrung, sondern als seine Aufgabe, die in die Zukunft gerichtet sei. Er werde sich alle Mühe geben, Botschafter dieser Stadt zu sein. "Dabei frage ich mich: Wo gibt es noch mehr Ehre, die man Höxter geben könnte? Wie kriegen wir es hin, dass Corvey möglichst bald als Weltkulturerbe anerkannt wird?" An diesem Punkt werde er ansetzen.
Neben Bürgermeister Alexander Fischer gratulierte Dardo Franke, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, dem Ehrenbürger. Sein Einsatz sei unglaublich. Stellvertretend für den Rat bedankte sich Manfred Schelhorn (CDU) bei Klaus Töpfer. "Sie leisten mehr, als wir jemals mit Hochglanzbroschüren erreichen können", sagte der Ratsherr. Es mache ihn stolz, wenn er den berühmten Höxteraner im Fernsehen erlebe. Töpfer mache Höxter bekannt.
Klaus Töpfer ist in dieser Woche wieder im Fernsehen zu sehen. In der 500. Ausgabe des Polittalks "Maybrit Illner" am Donnerstag, 17. November, 21.45 Uhr, geht es um Fragen wie: "Gibt es in Zukunft Kriege um Wasser, Öl und wertvolle Metalle?".

Ingo Schmitz, Westfalen-Blatt vom 14.11.2011

 

 

Das Datum der Ernennung Klaus Töpfers zum Ehrenbürger Höxters ist in dieses Bierglas eingraviert. Der Heimat- und Verkehrsverein hat dem 73-Jährigen das besondere Geschenk gemacht – wohl wissend, dass Töpfer gerne Gast in den Bürgerstuben ist.
Gratulieren dem neuen Ehrenbürger: (von links) Bürgermeister Alexander Fischer, Karin Wittrock, Klaus Töpfer mit Urkunde, Dardo Franke, Carola Breker und Manfred Schelhorn.