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Florian Mausbach, Abitur 1963 (Nov. 2006)
Dienstag, 29. November 2011 um 15:51 Uhr

Töpfer gibt Mausbach Mathe-Nachhilfe

Als BBR-Präsident seit 1995 oberster Bauherr: Höxteraner plant in Berlin alle Bundesbauten

 

Gleich zwei Männer aus Höxter haben an vorderster Stelle nicht nur den Regierungsumzug Bonn-Berlin maßgeblich gemanagt. Auch die Neugestaltung der Bundeshauptstadt lag und liegt in den Händen der beiden Höxteraner: Klaus Töpfer und Florian Mausbach.

Das nachhaltige Wirken von Töpfer als Bundesbauminister ist bekannt, dass mit Florian Mausbach als „Bundesbaudirektor“ und jetzigem Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung noch ein weiterer Sohn der Weserstadt am Jahrhundertprojekt Berlin beteiligt ist, das wissen nur wenige.

In der Fasanenstraße in Ku'damm-Nähe befindet sich das Bundesamt, dem Florian Mausbach seit 1995 vorsteht. Über seinen Schreibtisch gehen alle wichtigen Baumaßnahmen des Bundes: Milliardenprojekte wie Museumsinsel, Republikpalastabriss, Ministerienbauten, Schlösser, Botschaften, BND-Neubau und Zeughaus. Für Florian Mausbach, der in Höxter in der Brenkhäuser Straße seine Jugend verbrachte und dessen Eltern später in der Wibaldstraße ein Einfamilienhaus bauten, ist das neue Berlin und der Regierungsumzug „der großartigste Auftrag seines Lebens“.

Über seinem Schreibtisch in seinem Privatwohnhaus (die Familie lebt bei Potsdam) hängt ein großes Corvey-Bild. Den Großstadtplaner mit Wurzeln in Höxter, den Abiturienten des König-Wilhelm-Gymnasiums, zieht es immer wieder zurück in die Heimat, obwohl seine Familie nicht mehr im Kreis Höxter lebt. „Kürzlich haben wir einen Abstecher nach Amelunxen ins Gasthaus Kirchhoff unternommen“, erzählt BBR-Präsident Mausbach, dem 1100 Mitarbeiter unterstehen und der auch schon Stadtbaudirektor in Bielefeld und Hochhausplaner in Frankfurt war. Als er vom Felsenkeller-Brand hörte, lief die Schulzeit vor seinem geistigen Auge ab: „Da haben wir Schulfeste gefeiert“, erinnert sich Mausbach.

Mausbachs Familie kam nach dem 2. Weltkrieg nach Höxter. Der Vater begann als Baurat beim Kreis. „Ich habe als Kind erst in der Knochenbachstraße gewohnt. Ich erinnere mich auch noch an die Mehrfamilienhäuser gegenüber der Kaserne, wo in unserem Nachbarhaus Klaus Töpfer wohnte“, schildert der 62-Jährige. „Der spätere UNO-Direktor Töpfer hat mir sogar eine Nachhilfestunde in Mathe gegeben“, weiß der „Oberste Bauplaner des Bundes“. „An der Grünen Mühle, an der Schelpe, da haben wir Neunaugen gefangen. Bis in den Bielenberg führten die Ausflüge“, sagt er.

An den Brenkhäuser Bäcker Rabbe mit seinem Verkaufs-Pferdewagen erinnert er sich auch noch, „weil der mich einen Tag lang auf einer Tour mitgenommen hat“. Das KWG in seinem Altbau war für Mausbach eine „Feuerzangenbowle-Schule“: „Der Direktor hieß Zeus, an die Lehrer Klemm, Gauhl und Preywisch erinnere ich mich gut“, schmunzelt Mausbach.

In der Zeit um das Abitur 1963 war Florian Mausbach (geboren am 26. Mai 1944) freier Mitarbeiter des WESTFALEN-BLATTES Höxter bei Hans Boelte. „Ich habe kleine Berichte geschrieben, und meine Karikaturen über Fußballspiele hat die Redaktion gerne veröffentlicht“, zeigt er ein Album mit gesammelten Werken.

Journalist wurde er nicht, Mausbach (er hat vier Brüder und eine Schwester) ging nach Braunschweig und Berlin und studierte Architektur. „Als ich als Student zu den Eltern zurückkehrte, war ich entsetzt, was in Höxter bei der Sanierung an Fachwerkhäusern unnötig abgerissen worden war. Da hat man sich in Betonromantik versucht“, sagt Mausbach, der in der Mao-Zeit einige Jahre in Peking gearbeitet hat. Trotzdem habe Höxter immer noch ein schönes Stadtbild.

Um das zu genießen, hat sich Mausbach vorgenommen, einmal wieder in die alte Heimat zu reisen. „Ich habe in Berlin manchmal Heimweh nach dem Weserbergland.“ Vielleicht trifft er dann ja seinen alten Bekannten Ex-Minister Klaus Töpfer auf dem Wochenmarkt und kann mit ihm über Berliner Großprojekte wie den Wiederaufbau des Berliner Schlosses plaudern...
 

Michael Robrecht, Westfalen-Blatt vom 23.11.2006