Start Lebenswege Acht Herren erfüllen sich Jugendtraum (Febr. 2013)
Acht Herren erfüllen sich Jugendtraum (Febr. 2013)
Sonntag, 17. Februar 2013 um 16:14 Uhr

KWG-Alumnen gründen Verein „Stellwerk Corvey“ und kaufen Atelier von Maler James – Kunst und Gespräche

 

Das frühere Atelier des Höxteraner Malers James Donnachie hat neue Eigentümer: Ein Freundeskreis ehemaliger KWG-Schüler kaufte das alte Corveyer Stellwerk, gegenüber von Schießstand und Sägewerk gelegen, mit Grundstück.

James' Künstlerquartier hat bei Corvey-Besuchern, Radlern und Spaziergängern seit Jahrzehnten einen hohen Bekanntheitsgrad, und so haben sich viele Bürger Gedanken darüber gemacht, was aus dem verwilderten Areal an der Bahnlinie nach dem Auszug des Malers wohl werden würde. „Ich musste mein Häuschen mit dem großen Eisenbahnwaggon, den ich in einer ZDF-Show von Thomas Ohrner geschenkt bekommen habe, verkaufen, weil ich mich nicht mehr selbst versorgen kann und deshalb ins Konrad-Beckhaus-Heim gezogen bin“, sagt der 72-jährige James Donnachie.

Im September 2012 berichtete das WESTFALEN-BLATT über die Absicht des Malers, sich von seinem Refugium zu trennen. „Da haben wir James sofort ein Kaufangebot gemacht“, schildern die Neueigentümer Dr. Manfred Hecker aus Höxter und Hans-Jochen Lott aus Bielefeld, beide vor 50 Jahren Bewohner des Alumnats des Gymnasiums in Höxters Bachstraße. Sie gehören einer Gruppe von acht ehemaligen Absolventen des KWG aus ganz Deutschland an, die sich regelmäßig in Höxter treffen.

Neben Hecker und Lott werden Klaus Hattenhauer, Klaus Hauptmüller, Volker Schmieder, Wolfhard Schneider, Dr. Peter Hackfurt und Heinz-Peter Merkel den neuen Verein „Stellwerk Corvey“ gründen. Ziel: in James Atelier ein Begegnungszentrum für Künstler, Bürger und speziell für alte und heutige KWG-Schüler einrichten.

„Wir verwirklichen einen alten Traum unseres Freundeskreises. Wir wollen neben Kunstausstellungen und Werkschauen auch Vortragsabende und Diskussionen im Haus an der Bahn anbieten“, erklärt Hans-Jochen Lott. Man sehe sich in der Verpflichtung, der alten Penne etwas zurückzugeben. Und so planen die acht Herren, die beruflich alle erfolgreich und auch leitend waren und sind und jetzt alle die 70 überschritten haben, Gymnasiasten und Schulabgängern auf ihre Kosten Berufsberatungen, Workshops und Gespräche über Lebensstrategien anzubieten. Spiele, Naturschutz, Heimatpflege sind weitere Anliegen. „Wir sind alle Jahrzehnte im Job gewesen und möchten unsere Erfahrungen an junge Leute weitergeben“, beschreibt Lott einen wichtigen Ansatz für das ungewöhnliche Stellwerk-Projekt.

In den nächsten Monaten will der Verein „Stellwerk Corvey“ einige zehntausend Euro in die Hand nehmen und Bahnhäuschen, Garten (1200 Quadratmeter) und Eisenbahnwaggon renovieren. Besonders das Stellwerk selbst müsse komplett saniert werden.

Hecker und Lott haben mit der Stadtverwaltung in Höxter alles besprochen. Auch das Denkmalamt ist eingeschaltet. „Unsere Pläne kollidieren auch nicht mit den Vorgaben des Managementplanes, wenn Corvey als Weltkulturerbe 2014 anerkannt würde“, meint Hans-Jochen Lott. Es müsse nichts abgerissen werden. Man werde von der Stadt sogar noch weitere 400 Quadratmeter Land kaufen. Die Gruppe sieht ihren kleinen Kultur- und Kunsttreffpunkt als Bereicherung für Corvey.

Wie Lott berichtet, sei auch der Herzog von Ratibor an dem Maler-James-Gelände interessiert gewesen, habe es aber nicht bekommen. Zum einen habe James Donnachie sein Haus an den Verein veräußern wollen, zum anderen habe die Stadt, die ein Vorkaufsrecht für das Donnachie-Gelände hatte, auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet und das Stellwerk-Projekt gutgeheißen. Mit dem Herzog habe man dann noch über den Kaufvertrag mit James Donnachie vor Gericht streiten müssen, ergänzt Lott wenig begeistert.

Für den Sommer planen die KWG-Ehemaligen und Alumnen, die immer offen für weitere Vereinsmitglieder sind, ein großes Eröffnungsfest. Auch sollen schnell Ausstellungen und Veranstaltungen angeboten werden. Künstlerisch will Hans-Jochen Lott, der eine Lackfabrik in Bielefeld besitzt, seine Frau Irmela Lott vieles gestalten lassen. Malerin Irmela Lott, die weltweit schon Ausstellungen gezeigt hat und in Schloss Milse bei Bielefeld ein Atelier führt, sieht Chancen für heimische Künstler, im Stellwerk auszustellen. Kontakt und Informationen zu dem neuen Verein „Stellwerk Corvey“ gibt es unter 0170/2459354 (1. Vorsitzender Hans-Jochen Lott).

 

Das bekannteste und außergewöhnlichste Künstleratelier im Weserbergland: James Donnachies Refugium ist sehr verwildert, wird aber in diesem Frühjahr komplett saniert. Das alte Stellwerk Corvey muss grundlegend für Veranstaltungen renoviert werden.

 

Michael Robrecht, Westfalen-Blatt vom 16.02.2013