Start Lebenswege Klaus Töpfer, Abitur 1959 (Juli 2013)
Klaus Töpfer, Abitur 1959 (Juli 2013)
Sonntag, 28. Juli 2013 um 12:01 Uhr

Vom Ruhestand meilenweit entfernt

Höxters Ehrenbürger Klaus Töpfer feiert am Montag den 75. Geburtstag


Professor Dr. Klaus Töpfer ist in der ganzen Welt unterwegs. Seine Termine sind eng gesteckt – er ist gefragt wie eh und je. Doch dieses Wochenende und seinen 75. Geburtstag am Montag wird er dort verbringen, wo seine Heimat und er Ehrenbürger ist: in Höxter.

Am frühen Freitagmorgen wird der ehemalige Bundesumweltminister von seiner Frau Mechthild am Bahnhof in Steinheim abgeholt. Der CDU-Politiker kommt von Besprechungsterminen am Vortag nach Hause. Allerdings nicht, um hier die Beine hoch zu legen, sondern um zu arbeiten. Zwei Mitarbeiterinnen warten bereits auf ihn. Zwischendurch nimmt er sich gern Zeit für seine Heimatzeitung, das WESTFALEN-BLATT. Wie alt fühlt sich der ehemalige Bundesumweltminister angesichts seiner vielen Arbeit, die ihn nahezu rastlos erscheinen lässt? Töpfer schmunzelt. "Bei dieser Frage spielt immer Selbsttäuschung eine Rolle. Man macht sich gerne etwas vor. Ich weiß natürlich, dass ich 75 Jahre auf dem Buckel habe. Ich bin aber sehr dankbar, dass ich trotzdem das weiter machen kann, was ich über mein Berufsleben hinweg getan habe. Ich fühle mich sehr leistungsfähig. Ich bin noch nicht im Pensionsalter", betont er.
Von Ruhestand ist er meilenweit entfernt: Professor Dr. Klaus Töpfer ist wissenschaftlicher Leiter und Vorstand des Wissenschaftlichen Instituts IASS in Potsdam, das er aufbaut. Es befasst sich mit der internationalen Erforschung des Klimawandels und hat bereits 130 Mitarbeiter. "Das ist eine sehr zeitintensive Aufgabe, vor allem die vielen Termine, die damit verbunden sind", sagt Töpfer, der sich als Botschafter für das Thema Nachhaltigkeit sieht. "Das Institut befasst sich mit dem Thema Energiewende und mit vielen Fragen des Klimabereichs. Durch meine acht Jahre bei den Vereinten Nationen in Kenia habe ich sehr viele internationale Kontakte, die ich sehr bewusst weiter pflege. Sie sind sehr wichtig, auch für die Aktivitäten rund um die Themen Klima und Energie. Diese Themen sind global. Von daher ist es auch sehr hilfreich, dass ich viel in China bin und viele Termine in Europa habe. Ich war gerade in Finnland", berichtet Töpfer. Er sei erfreut, dass man sich für ihn interessiere. "Das ist die Eitelkeit des Alters: Man sagt zu wenig ›Nein‹ zu Terminen", stellt er fest und strahlt dabei Zufriedenheit aus.
Der Kampf für mehr Nachhaltigkeit und mehr Energieeinsparung sei sehr herausfordernd, sagt der nimmermüde Politiker. Schließlich habe man es mit der wohl mächtigsten Branche der Welt zu tun: Allein in den USA würden pro Jahr im Energiesektor 80 Milliarden Euro Gewinne gemacht. "Wenn man denen sagt, wir wollen eine andere Energieversorgungsstruktur erforschen und anwenden, die eben nicht mit klimarelevanten Auswirkungen verbunden ist, dann setzt man sehr viel Gegenbewegung in Gang", stellt er fest.
Die Energiewende mache auch in Deutschland nicht nur viel Arbeit, sondern verursache auch Kosten. Für Töpfer sind dies aber keine Kosten. "Es sind Investitionen in eine unabhängigere Energiezukunft", stellt er klar. "Es leben bald 7,3 Milliarden Menschen auf dieser Erde. Als ich geboren wurde, also vor 75 Jahren, waren es 2,7 Milliarden. Alle diese Menschen wollen Energie, und das bringt zusätzliche Anforderungen an die Klimapolitik", erklärt er seine Motivation.
Das zwischen den Städten Höxter und Beverungen geplante Wasserspeicherkraftwerk sieht Töpfer positiv. "Die Notwendigkeit zum Speichern wird immer dringlicher. Die Bürger – das habe ich auch in Amelunxen gesagt – sollten das Projekt weiter konstruktiv verfolgen. Das Unternehmen Trianel muss natürlich rechnen, ob die Investition auch wieder zurück gewonnen werden kann. Für die ländliche Region könnte das Speicherkraftwerk eine Attrahierung bedeuten und damit weitere Unternehmen anziehen", meint der Jubilar. Er sei damit zufrieden, wie sich der Kreis Höxter als Energieregion entwickle: "Ich habe das im Blick!"
Trotz aller politischen Verantwortungen sei sein privates Leben nie zu kurz gekommen, sagt Klaus Töpfer, der in Schlesien geboren wurde und seit 1968 mit seiner Frau Mechthild verheiratet ist. Das Paar hat drei Kinder. "Meine Frau und ich freuen uns, dass wir inzwischen vierfache Großeltern sind. Wir haben sehr viel Freude an den Enkeln. Ein bisschen mehr Zeit wäre da sicher angebracht."
Zu den emotionalsten Momenten in seinem Leben gehörte am 12. November 2011 seine Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Höxter. Die Stadt, die ihm nach der Flucht seiner Familie aus Schlesien 1945 zur neuen Heimat wurde, liegt ihm sehr am Herzen, betont der CDU-Mann. Er erinnert sich daran, wie er als siebenjähriger Junge – verfolgt von Alpträumen und schrecklichen Kriegsbildern im Kopf – in diese Stadt gekommen sei, mit dem Gedanken, wieder zu gehen. "Es war damals überhaupt nicht denkbar, dass ich hier einmal Ehrenbürger werden würde", betont Töpfer. Dass er seine Aufgabe sehr ernst nimmt, hat er seither immer wieder bewiesen: Als Hoffmann-Redner zum 1. Mai oder auch als Schirmherr des Familienfestes.
Mit seiner Familie wird Klaus Töpfer von Sonntag auf Montag in seinen Geburtstag hineinfeiern. "Es wird sicher sehr belebt werden. Am nächsten Tag werde ich mit dem ein oder anderen, der vorbei kommt, im Garten ein gutes Glas Bier trinken – denn auch dafür habe ich ein gutes Gefühl", sagt Töpfer, als bereits wieder sein Handy klingelt. Der nächste Termin wartet.
 

 
Wenn Klaus Töpfer in seiner Heimatstadt Höxter weilt, dann nutzt er gern die Gelegenheit zu einem Spaziergang, wie hier auf dem Wall. Die alten Bäume seien ein Beweis für nachhaltiges Denken früherer Generationen, meint "Mister Nachhaltigkeit". Fotos: Ingo Schmitz  

 

Zur Person

 

Professor Dr. Klaus Töpfer ist am 29. Juli 1938 in Waldenburg (Schlesien) geboren. Durch die Vertreibung kam er 1945 mit seiner Familie nach Höxter. Dort legte er 1959 am König-Wilhelm-Gymnasium das Abitur ab und studierte Volkswirtschaftslehre. Von 1965 bis 1971 war er als wissenschaftlicher Assistent am Zentralinstitut für Raumforschung und Landesplanung an der Universität Münster tätig. Viele weitere Aufgabenfelder kamen hinzu. Unter anderem in Mainz und Tübingen sowie in Shanghai hat er sich in der Lehre engagiert.
1972 wurde er CDU-Mitglied. Die politischen Stationen: Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Umwelt Rheinland-Pfalz; Minister für Umwelt und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz; 1987 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unter Kanzler Kohl. Danach war er Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima übernahm er den Vorsitz der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung. Außerdem wurde er als möglicher Bundespräsident gehandelt.


Kommentar

 

Klaus Töpfer wird 75. Unglaublich viel hat er in seinem Leben gemacht und bewirkt. Ein Ende seiner Schaffenskraft ist nicht absehbar. Er ist über unser Land hinaus einer der renommiertesten Gesprächspartner, wenn es um Umweltschutz, Energie und Nachhaltigkeit geht. Sein Leben ist geprägt von der Liebe zu den Menschen und zu dieser Erde, die er für die Nachwelt erhalten will. Das ist sein Antrieb. Dass er Ehrenbürger dieser Stadt ist, ist ihm eine besondere Ehre, wie er betont. Sein Lebenswerk hat Vorbildcharakter für alle, die sich politisch engagieren.

 

Am 12. November 2011 ist Klaus Töpfer zum Ehrenbürger von Höxter ernannt worden. Dardo Franke überreicht ihm ein besonderes Glas.


Ingo Schmitz, Westfalen-Blatt vom 27.07.2013