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Jubiläum der Arras-Partnerschaft
Mittwoch, 17. Juni 2009 um 12:48 Uhr

Jubiläum der Schulpartnerschaft zwischen Arras und Höxter : Freunde seit fünfzig Jahren

Fünfzig Jahre deutsch-französische Partnerschaft, wahrlich ein Anlass zum Feiern! Seit 1956 unterhalten die Gymnasien von Arras und Höxter die herzlichsten Beziehungen - eine wahrhaft einzigartige ununterbrochene Sprachpartnerschaft. Am 31. März 2006 empfing die stellvertretende Bürgermeisterin Marie Dejean die deutschen Schüler und Lehrer im Robespierre-Saal des Rathauses von Arras.

Ein gemeinsames Schicksal

Bereits in den 1950er Jahren begann zwischen den drei Schulen, dem König-Wilhelm-Gymnasium in Höxter, dem Lycée Gambetta und dem Lycée Robespierre in Arras ein Dialog über die Grenzen hinweg. Es handelt sich um eine der ältesten Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Schulen. Die ersten Briefkontakte entstanden 1951 zwischen Fritz Bürmann, damals noch Lehrer in Blomberg, und Thérèse Wang-Vinant, Deutschlehrerin am Lycée Gambetta in Arras. Im Juli 1952 machte sich dann eine Gruppe Arraser Schüler auf den Weg nach Blomberg, und einen Monat später reisten ihre deutschen Partner in entgegengesetzter Richtung nach Arras und weiter nach Paris. 1956 mit der Ernennung Fritz Bürmanns zum Direktor des KWG in Höxter begann dann die eigentliche Geschichte der Partnerschaft. "Im Jahre 1956 wurde unter der Schirmherrschaft des Deutsch-Französischen Jugendwerks die Partnerschaft offiziell abgeschlossen… In Deutschland waren die Lebensbedingungen schwierig: gefallene oder noch gefangene Väter, Wohnraummangel infolge der Bombardierungen, Zuzug von Vertriebenen aus dem Osten. In Frankreich war die Lage etwas besser…", berichtet Thérèse Wang-Vinant vom damaligen Mädchengymnasium Gambetta in Arras. Zwei Jahre später fuhr auch die erste Gruppe des Lycée Robespierre, damals noch ein reines Jungengymnasium, mit den Deutschlehrern Henri Singre und Michel Rau zum ersten Mal nach Höxter ins Sprach-Abenteuer.

 

Ehrung zweier deutscher Lehrer

Die stellvertretende Bürgermeisterin Marie Dejean verlieh den zwei deutschen Lehrern Trudi Osterholz und Fritz Ostkämper die Ehrenmedaille der Stadt Arras: "Allein in den letzten 25 Jahren haben je tausend Schüler aus beiden Ländern Bekanntschaft schließen können. Wir haben uns Freunde und Weggefährten gemacht", dankte Fritz Ostkämper in der Sprache Molières. Anschließend war die Reihe an zwei deutschen Schülerinnen, sich für die Aufnahme in Arras zu bedanken.

Goldene Hochzeit des Austauschs

Am Abend wurde dann das Jubiläum der Partnerschaft im Lycée Robespierre gebührend begangen. Eine Ausstellung im Foyer ließ die 50 Jahre in Fotos, Briefen und Berichten Revue passieren, und manche Schüler erkannten ihre Eltern (oder vielleicht gar Großeltern) auf den Fotos wieder. Direktor Coulon resümierte die Geschichte des Austauschs. Direktor Wieners betonte vor allem den Wert der "menschlichen Begegnung, die im Herzen bleibende Spuren hinterlässt". Thérèse Wang-Vinant erzählte von den schwierigen Anfängen, als die französischen Schüler in Höxter in der Jugendherberge wohnten, da ihnen die Höxteraner Familien noch keine Unterkunft bieten konnten. Zum Schluss dankten Fritz Ostkämper und Trudi Osterholz den vielen Arraser Kollegen, mit denen sie in all den Jahren zusammengearbeitet haben und die zu Freunden geworden sind, so dass Arras fast zu einer zweiten Heimat geworden ist. Wie auch in früheren Jahren wurde das Festprogramm musikalisch von Schülern des Lycée Robespierre begleitet. Zum Schluss fanden sich alle um das Buffet zusammen, bei dem noch viel Zeit für Gespräche und Erinnerungen blieb.

Ein etwas anderes Programm

Der Besuch in Arras war diesmal in mancher Hinsicht anders als in sonstigen Jahren; denn das Lycée Robespierre war im Streik gegen das CPE, das Gesetz, mit dem der Kündigungsschutz für junge Arbeitnehmer fast völlig aufgehoben werden sollte. Dagegen streikten Schüler und Lehrer und die Schule war an vielen Tagen blockiert. Die Schüler des Robespierre nächtigten in der Schule und es fand kein Unterricht statt. Eine lehrreiche Erfahrung dieses Jahres für die deutschen Schüler, die während ihres Aufenthalts viel über Zivilcourage und die Organisation von Demonstrationen lernen konnten, an denen auch in Arras Tausende teilnahmen, wie sie gleich am ersten Tag sahen. Und inzwischen berichten auch die deutschen Medien, dass das Gesetz zurückgenommen werden musste. Trotzdem erlebten die Schüler aus Höxter während ihres Aufenthalts in Arras vom 27. März bis zum 7. April wie immer ein buntes Programm. Sie lernten das Leben in einer französischen Familie kennen, erkundeten die Stadt Arras mit ihren prachtvollen Plätzen, dem Rathaus und den unterirdischen "Boves" (Steinbrüchen aus dem frühen Mittelalter). Die zahllosen Friedhöfe der Umgebung und die "Mur des Fusillés", an der während der deutschen Besatzung über 200 Widerstandskämpfer erschossen wurden, erinnerten sie an die leidvolle Geschichte zwischen den beiden Völkern. Ausflugsfahrten brachten ihnen die nähere und weitere Umgebung von Arras näher: nach Boulogne an die Ärmelkanalküste, nach Cambrai, wo die berühmten Süßigkeiten der "bêtises" hergestellt werden, in die regionale Hauptstadt Lille und natürlich nach Paris. Gemeinsam mit ihren französischen Partnern konnten sie bei einem Spiel- und Sportnachmittag ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wenn auch die Teilnahme am Unterricht in diesem Jahr etwas kurz kam - französisch sprechen konnten und mussten die deutschen Schüler überall. Und Anfang Mai beim Besuch in Höxter können die Schüler aus Arras erleben, dass es Lust macht, sich in der Sprache des anderen zu verständigen.

Zusammengestellt von Fritz Ostkämper auf der Grundlage von Artikeln der Presse in Arras.

Am 13. April 2006 verstarb der langjährige Fahrtenbegleiter des Collège Gambetta, Jean-Pierre Devienne. Lesen Sie hier den Nachruf der Frachschaft Französisch.