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50 Jahre Schulpartnerschaft mit Arras
Donnerstag, 25. Juni 2009 um 07:23 Uhr

Festakt zum Jubiläum

 

Mit einem zweieinhalbstündigen Festakt haben König-Wilhelm-Gymnasium und Stadt Höxter das 50-jährige Bestehen der Schulpartnerschaft zwischen dem KWG und dem Lycée Gambetta sowie dem Lycée Robespierre in Arras im Historischen Rathaus gefeiert. Der Schüleraustausch gilt als ältester bundesweit.
Wenn die alte Schule ruft, dann kommen viele - besonders ehemalige Schüler. Ex-Minister Klaus Töpfer und Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen, waren nur die prominentesten ehemaligen Pennäler und Arras-Fahrer, die extra angereist waren. Als erste Teilnehmer des Austausches vor einem halben Jahrhundert zeigten auch Mechthild Töpfer, Dorothea Denker, Willi Kovermann, Heinz Jürgen Köster und Rolf Zeidler ihre Verbundenheit zur Schule. Töpfer gab sogar seine Französischkenntnisse zum Besten und erinnerte sich gut an die Frankreichfahrt und den Gegenbesuch der Franzosen in Höxter: "Dass die Partnerschaft noch heute besteht, ist eine gute Form der Nachhaltigkeit."

Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok, lange Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des EU-Parlamentes, hob hervor, dass die Schulpartnerschaft bereits fünf Jahre vor dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag gegründet worden sei. "Alle Verträge von Regierungen und alle EU-Debatten sind weniger dauerhaft als solche Schulpartnerschaften", lobte Festredner Brok. So führe man Völker zusammen. Junge Leute, die Hauptleidtragenden der Weltkriege, hätten schnell zueinander gefunden.

Höxters Bürgermeister Hermann Hecker unterstrich: "Die deutsch-französische Partnerschaft lebt!" - sowohl mit Arras und später auch mit der Städtepartnerschaft zu Corbie. Zu der nordfranzösischen Stadt habe Höxter schon wegen des Klosters Corvey jahrhundertealte Beziehungen unterhalten, sagte er vor 180 Gästen.

KWG-Schulleiter Georg Wieners bescheinigte seinem Vorgänger Fritz Bürmann, 1956/57 sehr vorausschauend gehandelt zu haben. "Hunderte junge Menschen haben sich kennengelernt", freute er sich. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl wies darauf hin, wie solche Austausche viele Vorurteile beseitigten. Das KWG sei damals der Zeit voraus gewesen. Sie überreichte Urkunden von Land und Bezirk.

Direktor Coulon (Lycée Robespierre) hat ausgerechnet, dass deutsche und französische Schüler bis heute 130.000 Kilometer gereist seien, "um sich zu besuchen". Thérèse Wang aus Arras, mit Fritz Bürmann Gründerin der Partnerschaft, erinnerte an erste Kontakte zwischen ihnen schon 1951. "Höxter ist uns zur zweiten Heimat geworden", sagte die alte Lehrerin, die zur Verblüffung vieler Gäste etliche Straßen in Höxter nannte und sich immer wieder gerne an die Schulbälle im Felsenkeller erinnerte.

Feierten 50 Jahre Schulpartnerschaft im Rathaus: v.l. Trudi Osterholz, Fritz Ostkämper und Schulleiter Georg Wieners (KWG), Eric-André Martin (Auswärtiges Amt), Joelle Bontems (DFJW), Bürgermeister Hermann Hecker, Thérèse Wang-Vinant (Austausch-Initiatorin aus Arras), Proviseur Georges Coulon (Direktor Lycée Robespierre), Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl sowie die ehemaligen KWG-Schüler Bundesminister a.D. Prof. Klaus Töpfer und Florian Mausbach (Präsident des Bundesamtes für Raumordnung Berlin)

KWG Höxter mit Vorreiterrolle

Ein lebendes Beispiel für eine erfolgreiche deutsch-französische Partnerschaft saß gestern mit Christophe Darley mitten im Ratssaal: Seine Mutter, die Höxteraner Städtepartnerschafts-Beauftragte Jocelyne Lambert-Darley, hat es aus der Gegend von Corbie nach Höxter verschlagen, und sein Vater, der Ratsherr Franz Darley, kommt aus Brenkhausen. "Mein französischer Großvater hat immer auf die Eheringe meiner Eltern gezeigt und gesagt ‚Heiraten ist besser als Krieg führen'", zeigte sich der 26-jährige Student, der auch Europabeauftragter der Kreis-CDU ist, beeindruckt von den Berichten der Veteranen der ersten deutsch-französischen Schulpartnerschaft. Das KWG Höxter übernahm eine Vorreiterrolle schon weit vor der Aussöhnung de Gaulle-Adenauer.

Während des Festaktes im Rathaus in Höxter sagte Eric-André Martin vom Berliner Außenministerium einen bemerkenswerten Satz: "Der Weg war lang, die Wunden noch offen und das Misstrauen tief. Doch die Bürger in Höxter und Arras ließen sich nicht abschrecken, den Weg der Verständigung zu suchen." Übersetzt heißt das, eine Partnerschaft lebt nicht davon, dass sich Offizielle treffen, sondern dass die Kommune, die Gesellschaft, das Projekt breit mitträgt und zum Herzensanliegen macht. Das ist in Höxter und Arras geschehen.

Die Versöhnung mit Frankreich vor 50 Jahren bedeutete eine Umkehr der Verhältnisse, die durch den deutsch-französischen Krieg von 1870/1871 und später von der Erbfeindschaft gekennzeichnet waren. An einen Freundschaftsvertrag war nach Kriegsende nicht zu denken. Das hat die erste Schülergeneration selbst erfahren, schlief sie noch in Jugendherbergen und nicht bei Gasteltern. Der Staatsvertrag 1963 ist als Ergebnis einer Politik der Aussöhnung und Verständigung zu verstehen. Diese gründete auf der Erkenntnis, dass ein erneuter Krieg nur durch ein Ende der alten Feindschaften zu verhindern war.

Die Einführung von Französisch als Fremdsprache verdeutlicht das Bemühen, junge Menschen schon früh in die Sprache des Nachbarn einzuführen. Auch in Frankreich ist Deutsch nach Englisch eine der meistgewählten Sprachen. 2005 haben sogar zehn Prozent mehr junge Leute als 2004 Deutsch gewählt.

Erfreulich in der Partnerschaft zu Arras ist, dass bereits drei Generationen Lehrer und 4000 deutsche und französische Schüler die Beziehungen mit Leben erfüllt haben. KWG-Schulleiter Fritz Bürmanns Einsatz hatte 1957 eine historische Dimension und wurde ein viel kopiertes Erfolgsmodell. "Der Geist einer Schule hat großen Einfluss", schaute der Europaabgeordnete Elmar Brok auf Ex-Minister und KWG-Abiturient Klaus Töpfer und dessen politische Bilanz. Da ist viel dran.

Text und Fotos: Michael Robrecht, Westfalen-Blatt vom 09. Juni 2007

Fritz Ostkämper und Trudi Osterholz haben eine Chronik der Partnerschaft zusammen gestellt, die Sie hier lesen können.