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30 Jahre Schüleraustausch mit Warschau
Montag, 17. Mai 2010 um 14:04 Uhr

Das König-Wilhelm-Gymnasium unterhält seit 30 Jahren eine Partnerschaft mit dem Ruy Barbosa Lyzeum in Warschau. Ende April waren nun wieder Schülerinnen und Schüler aus Polen in Höxter zum Partnerschaftsbesuch.

Am Anfang der Partnerschaft standen Studienfahrten mit der Oberstufe. Durch persönliche Kontakte zwischen Lehrern war Polen ins Blickfeld gekommen und eine Rundfahrt durch ein kommunistisches Land, das so anders war als die DDR, empfanden nicht nur Schüler aus Geschichtskursen als interessant und bereichernd. Es herrschte ein Pioniergefühl wie bei Entdeckern, die ein exotisches Land betreten. Auffallend und beeindruckend war von Anfang an, wie offen und herzlich die Polen der deutschen Gruppe begegneten und wie wichtig ihnen der Kontakt war. Schüler und Lehrer wohnten noch im Hotel, die Gruppe wurde durch einen offiziellen Reiseführer begleitet, was die Organisation einerseits vereinfachte, andererseits aber auch eine gewisse Kontrolle bedeutete. Außer Warschau standen Breslau, Krakau, Auschwitz und Posen auf dem Programm.
Die persönlichen Kontakte entwickelten sich weiter und es entstand die Frage, ob es nicht möglich sei, das Leben in polnischen Familien direkt kennen zu lernen und nicht in unpersönlichen Hotels zu wohnen. Parallel zur politischen Wende wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Schüler und Kollegen wohnten ab jetzt in Familien und nahmen direkt am Familienleben teil.
„Was, du willst nach Polen, wie kommst du denn auf die Idee?“ Diese Frage bekamen Schüler, die dann während der Jahrgangsstufe 9 nach Polen fuhren, häufig zu hören. Angesichts der konkurrierenden Reiseziele in England, Frankreich, Ungarn und Italien war ein Austausch mit Warschau für viele nicht attraktiv. Auch die Lehrer waren etwas unsicher: Würden die verhältnismäßig jungen, aus dem behüteten Leben einer Kleinstadt kommenden Schüler dem Aufenthalt in einer postkommunistischen Metropole gewachsen sein?
Um möglichst viele Probleme im Vorfeld zu klären, bereiteten sich diejenigen, die sich für eine Fahrt in den „wilden Osten“ entschieden hatten, während eines Wochenendes in einer Jugendherberge gründlich vor. Das Verhalten in den Familien, „Was mache ich, wenn mir das Essen nicht schmeckt und die Gasteltern sprechen weder Deutsch noch Englisch?“, wurde ebenso geübt wie der Umgang mit den – für unsere Verhältnisse – inflationären Geldmengen.
Hinterher konnten alle erzählen, dass die Sorgen unbegründet gewesen waren. Es stellte sich heraus, dass Freizeitbeschäftigungen und Musikgeschmack weitgehend ähnlich waren, so dass schnell eine gemeinsame Basis entstand.
Die Herzlichkeit in den Familien und die Kooperation mit Lehrern und Schulleitung ließen große Probleme gar nicht erst entstehen. „Normale“ Schwierigkeiten wie Heimweh, ungewohntes Essen und manchmal nicht so gut zusammenpassende Partner kommen bei jeder Austauschfahrt vor, ihre Bewältigung ist ein wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden und gehört zu den „Lernzielen“ jeder Austauschfahrt.
Seit einigen Jahren findet der Austausch in der Jahrgangsstufe 10 statt. Polen ist in der EU, ein Reisepass nicht erforderlich, genauso wenig wie ein Vorbereitungsseminar. Der Kontakt ist selbstverständlich geworden. Da in der Vergangenheit gerade das – vermutete oder wirkliche – Fremdartige einen großen Reiz der Fahrt ausmachte, sei es um so erfreulicher, dass beide Seiten den Austausch fortführen möchten.

 


Zwei Tage in Köln

Neben bewährten Programmpunkten wie dem Empfang im Rathaus, einer Stadtführung und Sportveranstaltungen gab es in diesem Jahr etwas Neues: Die deutsch-polnische Gruppe verbrachte zwei Tage mit einer Übernachtung in Köln. Dieser Aufenthalt war besonders dazu angetan, die in Warschau entstandenen Kontakte und Freundschaften zu vertiefen.


Neue Westfälische, 30. April 2010

Empfang im Rathaus: Die deutsch-polnische Gruppe mit dem stellvertretenden Bürgermeister Werner Böhler (vorne l.), den polnischen Lehrern Magdalena Bochnak und Wojtek Mattuschak (vorne r.) sowie den KWG-Lehrern Janine Garbe, Hans Nicolas, Sonja Büttner (links) und Corinna Neumann (rechts, 2. Reihe).