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Hingucken statt Wegsehen
Mittwoch, 24. Juli 2013 um 14:31 Uhr

Museumspädagogische Woche im Jacob Pins Forum beendet


Die museumspädagogische Woche des Jacob Pins Forum hat mit dem Projekt "Die Hingucker" seinen Abschluss gefunden. Die sechste Klasse des KWGs hat sich dazu mit den Themen der Diskriminierung und Zivilcourage auseinander gesetzt.

"Das König-Wilhelm-Gymnasium wurde als ›Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‹ zertifiziert, daher ist uns die Zusammenarbeit mit solchen Projekten, wie die ›Die Hingucker‹ sehr wichtig", sagt KWG-Lehrerin Dr. Carola Fern. Von Ausgrenzung, Rassismus und Zivilcourage handelt auch die fiktive Erzählung "Die Hingucker" von Autorin Ursula Kraft. Das Buch erzählt von einem kleinen Städtchen Weinach, in dem die "grünäugigen" Malachiten immer mehr ausgegrenzt werden. Die "Grünäugigen" sehen anders aus, stammen aus einem fremden Land und haben eine andere Religion.
Die Museumspädagogen Agnes Ising und Katharina Dehling des Kreismuseums Wewelsburg haben das Pins-Forum in Höxter besucht und sich gemeinsam mit den Schülern der sechsten Jahrgangsstufe mit dem Buch "Die Hingucker" beschäftigt. Das Projekt verfolgt unter anderem das Ziel, die Kinder zur Zivilcourage im Alltag zu ermutigen. Die Schüler haben in verschiedenen Rollen die Geschichte "Die Hingucker" schauspielerisch dargestellt und verschiedene Handlungsweisen erprobt sowie Lösungswege ermittelt. Die Sechstklässler haben Mechanismen und Verhaltensweisen erlebt, die zur Entstehung von Feindbildern und Vorurteilen führen. Auch ihre eigenen Erfahrungen konnten die Kinder in den Projekttag mit einbringen. "Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik werden die Schüler auch für diskriminierende Situationen im Alltag sensibilisiert", erklärt Katharina Dehling. Die Jungen und Mädchen werden ermutigt zu "Hinguckern" zu werden. Außerdem haben die KWG-Schüler viel über die Zeit des Nationalsozialismus erfahren.
"Dieses Projekt ist eng an den aktuellen Deutschunterricht angelehnt", erzählt Dr. Carola Fern. Die Schüler haben den Roman "Anton oder die Zeit des unwerten Lebens" von Elisabeth Zöllner gelesen. "Diese Geschichte basiert auf realen Tatsachen, die ein behinderter, ausgegrenzter Junge, während der NS-Zeit erlebt hat", berichtet Fern.
Nach den Sommerferien sind die Schüler dazu eingeladen, sich über die historischen Hintergründe des Nationalsozialismus in Höxter im Jacob Pins Forum zu erkundigen. "Ich finde es wichtig, dass sich auch junge Menschen mit den Vorkommnissen der Vergangenheit auseinander setzen. Denn so etwas soll schließlich nie wieder passieren", erklärt Johanna Steuer, Museumspädagogin im Jacob Pins Forum.

 

Beschäftigen sich mit Ausgrenzung und Zivilcourage: Kerstin Preuß (vorne von links), Annalisa Hohls, Kaja Hachmann und Tobias Dickel verdeutlichen optisch das Bild der "Grünäugigen".

Foto: Weiße


Michaela Weiße, Westfalen-Blatt vom 24.07.2013