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Hakenkreuze über Höxter
Dienstag, 11. März 2014 um 18:47 Uhr

Ausstellung über Nazizeit: "Bürgerkrieg im Wesertal" im KWG-Foyer eröffnet


Vor 75 Jahren ist der Zweite Weltkrieg ausgebrochen, vor mehr als 80 Jahren ergriff Hitler die Macht: Anlässe gibt es dieses Jahr genug, um eine besondere Ausstellung wie die Präsentation "Bürgerkrieg im Wesertal" zu zeigen. Gestern fand die Eröffnung im König-Wilhelm-Gymnasium statt.

Zum Gedenken an die Machtergreifung ist die Schau schon 2013 für Stationen in Beverungen und Uslar zusammengestellt worden. Jetzt haben KWG und Stadtarchiv mit Hilfe des "Höxter - Verdrängte Geschichte"-Autors Ernst Würzburger die Ausstellung um Höxter-Themen erweitert und im Foyer für mehrere Wochen aufgebaut. Stadtarchivar Michael Koch hofft, dass sich nicht nur Schüler die Dokumentation ansehen, sondern auch Bürger aus der Stadt.
Bürgermeister Alexander Fischer ist wichtig, dass Geschichte anschaulich vermittelt wird. Es sei gut nachzuvollziehen, wie sich die NS-Diktatur lokal konkret ereignet hat "und wie skrupellos sich die Nazis im öffentlichen Leben ausgebreitet haben". Autor Ernst Würzburger, der am 28. März um 18 Uhr in der VHS die überarbeitete Ausgabe seines Höxter-Buches vorstellt, schilderte Wahlergebnisse und Schicksale aus den 30er Jahren. Ludwig Decker starb im Alter von 18 Jahren. Der Schmiedelehrling aus Lauenförde verblutete am 10. Juli 1932 bei einer Straßenschlacht zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten in Beverungen, an der er als SA-Mitglied teilgenommen hatte.
Regionalforscher aus den Kreisen Northeim, Holzminden und Höxter fragen nach den Ursachen physischer Gewalt in der Politik und zeichnen den Prozess der nationalsozialistischen Machteroberung im Wesertal und im Solling anschaulich anhand zahlreicher Beispiele nach. Die Ausstellung behandelt zunächst das Ende der Weimarer Republik und ihr Scheitern an der geringen Akzeptanz der parlamentarischen Demokratie bei großen Teilen des Bürgertums. Widerstand gegen die immer provokativer auftretenden Nazi-Kolonnen leisteten Sozialdemokraten, Kommunisten und in Höxter ganz stark die Anhänger der katholischen Zentrumspartei.
Ein zweiter Bereich ist den Wahlen im Juli 1932 gewidmet. Es werden die militanten Auseinandersetzungen vor den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 geschildert und die Lebenswege mehrerer Akteure skizziert. Ernst Würzburger berichtet, dass die NSDAP 1928 bei den Ratswahlen in Höxter 12,5 Prozent geholt hatte, dann 1932 sogar 41 Prozent bei der Reichstagswahl.
Der dritte Teil der Ausstellung geht auf die Anfänge der NS-Herrschaft im Weserbergland ein. Binnen eines Jahres verwandelten die Nationalsozialisten die erste deutsche Demokratie in eine totalitäre Diktatur, in der Misshandlungen von Oppositionellen und Angehörigen der kleinen jüdischen Minderheit an der Tagesordnung waren. Die Ausstellung wendet sich vor allem an junge Leute und versucht sie für eine demokratische politische Kultur und einen gewaltfreien Diskurs zu gewinnen. Sie soll in den nächsten Jahren in Museen, Bibliotheken, Archiven und Schulen im Dreiländereck Niedersachsen, NRW und Hessen gezeigt werden.

 

Öffnungszeiten der öffentlichen Sonderausstellung im Gymnasium Höxter bis 4. April: Montag bis Freitag immer 8 bis 16 Uhr.

 

Ausstellungseröffnung im KWG: (von links) Bürgermeister Alexander Fischer, Maximilian Mönnekes, Ramo Mrljanikovic, Dennis Weinhold, Linda Czornik, Patrick Warnecke, Roman Probst, Anna Jankowski, Melis Brillo, Autor Ernst Würzburger, Stadtarchivar Michael Koch, Vize-Landrätin Carola Breker, KWG-Direktor Georg Wieners und Dr. Carola Fern (KWG). Fotos: Michael Robrecht


Michael Robrecht, Westfalen-Blatt vom 11.03.2014